ONENESS24

Leben in Einheit ∗ Einssein im Leben

Die Einheit des Seins (1)

20.05.11 von (Oneness/Bewusstsein)

Ramana MaharishiRamana Maharshi, der „Weise vom Berg Arunachala“ in Südindien, ist bekannt als einer, der völliges Einssein verkörperte. Menschen, die zu ihm kamen, riet er, den Ursprung des Ich-Gedankens mit der Frage: „Wer bin ich?“ zu ergründen. Er bekräftigte dies mit den Worten: „Deine wahre Natur ist es, glücklich zu sein. Es ist daher nicht verkehrt, nach diesem Glücklichsein zu suchen. Unsinnig ist nur, das Glück außen zu suchen, denn es ist in Dir.“

Ellam Ondre (dt. Alles ist Eins), ein bisher kaum zugängliches Werk aus dem Tamil, ist von Ramana Maharshi als Lektüre empfohlen worden. Es stammt vermutlich aus dem 19. Jahrhundert und als Verfasser gilt Vijai R. Subramaniam. Ellam Ondre wurde erstmals im Jahr 1935 in Tamil Nadu veröffentlicht und rund 15 Jahre später von K. Lakshmana Sarma, einem Anhänger von Ramana Maharshi, ins Englische übersetzt und in Sri Lanka veröffentlicht.

Ramana empfahl dieses schmale Büchlein mit den Worten: „Wenn du spirituelle Befreiung wünschst, schreibe, lese und setze die Anleitungen in Ellam Ondre in die Tat um.“

Hier ist der erste Teil von Alles ist Eins:

Eins·Sein

1. Alles – die Welt, die du siehst, sowie du selbst, der Betrachter dieser Welt – ist Eins.

2. Alles, was du als ich, du, er, sie, und es betrachtest ist Eins.

3. Die Lebewesen, aber auch das „Unbelebte“ wie Erde, Luft, Feuer und Wasser – all das ist Eins.

4. Das Gute, das erworben wird, indem man alles als eins betrachtet, kann nicht erreicht werden, wenn man alles getrennt voneinander sieht. Daher ist alles Eins.

5. Alles als eins zu betrachten, ist gut für dich und ebenso für die Anderen. So ist alles Eins.

6. Derjenige, der denkt: „Ich bin einer, du bist ein Anderer, sie ist eine Andere“, handelt auf eine Art für sich selbst, auf die andere Art für „die Anderen“. Er oder sie kann nicht anders. Aus dem Gedanken: „Wir sind alle getrennt voneinander“ erwächst unterschiedliches Handeln verschiedenen Personen gegenüber. Wie kann ein Mensch vom rechten Weg abweichen, der um das Einssein mit den anderen weiß? Solange der Keim der Unterscheidung noch lebendig ist, wird – bewusst oder unbewusst – unterschiedliches Handeln daraus erwachsen. Gib also auf, Unterschiede zu sehen. Alles ist nur Eins.

7. Solltest du dich nun fragen: In der Welt scheint alles verschieden voneinander zu sein; wie kann ich da alles als eins betrachten? Gibt es irgendeinen Weg um diese Erkenntnis zu erlangen? So werde ich dir antworten: Auf dem gleichen Baum sehen wir Blätter, Blumen, Früchte und Äste, alle verschieden voneinander und trotzdem alles eins, weil sie alle im Wort „Baum“ inbegriffen sind. Sie haben eine gemeinsame Wurzel, einen gemeinsamen Saft. In gleicher Weise kommen alle Dinge, alle Körper, alle Organismen aus demselben Ursprung und werden von derselben Kraft belebt. So ist alles Eins.

8. Mein Freund, finde selbst heraus, ob die Aussage: „Alles ist Eins“ Positives oder Negatives bewirkt.

In der Tat liegt derjenige richtig, der sich selbst wie die Anderen sieht und die Anderen wie sich selbst, denn wie kann einem Menschen Negatives anhaften, der weiß, dass er die anderen ist und die anderen er selbst sind? Sag mir, gibt es einen besseren Weg zum wahrhaft Guten als das Wissen um die Einheit? Sicherlich gibt es keinen besseren Ansatz als diesen. Wie kann jemand die Anderen mehr lieben als wenn sie weiß, dass sie selbst diese sind? Betrachte sie also alle als Einheit, liebe sie alle als Einheit – denn in Wahrheit ist alles Eins.

9. Wer kann die Ruhe und den Seelenfrieden derer ermessen, die in Einheit leben? Sie kennen keine Sorgen. Das Wohl aller ist auch ihr Wohl. Selbst eine Mutter empfindet das Wohlbefinden ihrer Kinder als ihr eigenes Wohlbefinden, und dennoch ist ihre Liebe nicht vollkommen, denn sie glaubt, dass sie und ihre Kinder getrennt voneinander existieren. Die Liebe eines Erwachten, der in Einheit mit allem lebt, übertrifft daher bei weitem die Liebe einer Mutter. Es gibt keinen anderen Weg, eine solche Liebe zu verkörpern, als die Erfahrung der Einheit. So ist alles Eins.

10. Betrachte die ganze Welt als Eins mit deinem unsterblichen Körper und so dich selbst als das ewige Leben der gesamten Welt. Sag mir, kann das etwa schaden? Wer wird sich schon vor dem unverfänglichen Weg scheuen? Sei mutig. Die Veden lehren diese reine Wahrheit. Es gibt nichts anderes außer Dir Selbst. Das höchste Gut wird dir gehören. Ja, du wirst selbst das höchste Gut sein. Deine Anwesenheit wird allen Anderen zugute kommen, denn wer würde schon seinem eigenen Körper und seiner eigenen Seele Schaden zufügen?

Wenn der Körper einen Abszess hat, wird ihm eine Salbe aufgetragen. Auch wenn es schmerzt, ist es doch nur dazu bestimmt, Gutes zu bewirken. Ebenso wird es mit deinen Handlungen sein; auch sie werden dem Guten in der Welt dienen. Deshalb sollst du in allem die Einheit sehen und dich nicht in Unterscheidungen verwickeln.

Ich fasse kurz zusammen: Derjenige, der die Einheit kennt, handelt so, wie es am besten ist. Es ist das Wissen um die Einheit, das ihn zum Handeln bewegt. Er kann sich nicht irren. Er ist Gott, für die Welt sichtbar gemacht. Alles ist Eins.

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Weiterlesen: Alles ist Eins von Vijai R. Subramaniam, Reichel Verlag, mit einem Vorwort von Ramana Marharshi. Der gesamte englische Text (der als Vorlage für den vorliegenden Auszug dient) ist u.a. hier nachzulesen.

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