ONENESS24

Leben in Einheit ∗ Einssein im Leben

Die Kraft der Gruppe

01.04.11 von (Oneness/Bewusstsein)

VogelschwarmEintrachtslied RIG VEDA 10, 191:
Geht zusammen, verständiget euch! Eure Sinne sollen einträchtig sein, wie die Götter vor Zeiten einträchtig bei ihrem Opferanteil saßen. Einig der Rat, einig die Versammlung, einig sei ihr Sinn, zusammenstimmend ihr Denken. Ein- trächtigen Rat rate ich euch an, mit einigem Opfer opfere ich für euch. Einig sei euer Vorhaben, einig eure Herzen; einig soll euer Sinn sein, auf dass euch schönes Zusammenhalten sei!

So die Schlussworte des Rig Veda (in der Übersetzung des Indologen Karl Friedrich Geldner). Für Nichtkenner: Der Veda gilt als das komprimierte und vollständige Wissen über alles, was wissbar ist. Es wurde von Rishis (Sehern) geschaut und bildet den maßgeblichen Kern des Hinduismus.

So wie ein biologischer Organismus mehr ist als die bloße Ansammlung vieler einzelner Zellen, so ist eine Gruppe mehr als eine bloße Ansammlung von Individuen. Eine Gruppe von zusammen fühlenden, zusammen denkenden und zusammen wirkenden Einzelwesen ist ein lebendiger Organismus. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile, es ist ein größeres und umfassenderes Wesen als es je Individuen für sich allein sein können.

Die individuellen Unterschiede seiner Mitglieder sind nicht der Fluch, sondern der Segen einer Gruppe. So wie Biotope mit einer großen Artenvielfalt überlebensfähiger sind als Monokulturen, so bringen auch Gruppen mit einer großen Bandbreite an Ausprägungen reichere Früchte hervor.

Das ist nicht wirklich neu und war zu allen Zeiten bekannt. Der uralte Rig Veda gibt Zeugnis davon. Und wer einmal einen Vogelschwarm oder einen Fischschwarm hat beobachten dürfen, kennt die Faszination, die vom Zusammenspiel einer in Harmonie agierenden Gruppe ausgeht: Es sieht aus wie die Bewegung eines einzigen Wesens.

Wir Menschen scheinen davon abgekoppelt – vielleicht deshalb, weil wir den Kontakt zu unserem eigenen Urgrund verloren haben. Eine moderne Übersetzung des Eintrachtsliedes, wie sie vom indischen Heiligen Maharishi Mahesh Yogi (Transzendentale Meditation) angeboten wird, macht dies deutlich:

Geht zusammen, sprecht zusammen, wisset, dass Euer Geist gleichen Ursprungs ist und mit allen anderen zusammen wirkt. Ebenso, wie die Impulse der kreativen Intelligenz am Anfang, nahe ihrer Quelle, miteinander vereinigt bleiben. Integriert ist der Ausdruck des Wissens, in der Einheit liegt die Stärke einer Gemeinschaft, trotz der Vielfalt ihrer Wünsche sind ihre Gemüter vereinigt. Kraft des Vereinigtseins und mittels dessen, was noch zu vereinen bleibt, handele ich, um die Ganzheit des Lebens hervorzubringen. Geeint sei euer Vorsatz, harmonisch euer Fühlen, gesammelt euer Geist, in der selben Weise, wie die verschiedenen Aspekte des Universums in Gemeinsamkeit und Ganzheit existieren.

Das Bewusstsein, dass wir alle gleichen Ursprungs und Ausdruck derselben Quelle sind, lässt die Individualität in den Hintergrund treten, ohne sie zu verleugnen. Im Gegenteil: Das Zusammenwirken der Individualitäten erlaubt es der Einen Quelle, inmitten der vielfältigen Schöpfung als Eines zu erstahlen.

Das klingt verlockend und nach einem wunderschönen Ideal, die Erfahrung unserer eigenen und alltäglichen Beziehungsdramen aber rücken es weit weg ins Reich der Träumereien und Zukunftsvisionen. Was geht davon hier und heute?

Wir alle haben eine Erinnerung daran, dass wir eins sind. Wenn diese Erinnerung wieder zu Leben erwacht und wir diese Einheit wieder zu fühlen beginnen, geschieht es quasi wie von allein, dass wir wieder zusammenfinden. Es beginnt im Kleinen und mit unseren Nächsten. Diejenigen, die zusammengehören, finden einander auf wundersame Weise und so ganz natürlich, als wäre es nie anders gewesen.

So wie unser Körper Zellverbände enthält, die eng zusammenarbeiten, so finden sich unter den Menschen diejenigen zusammen, die besonders gut zusammenwirken wie zum Beispiel eine eingespielte Mannschaft oder eine Band, die so harmonisch miteinander musiziert, als wäre es eine einzige Person.

Wir sehen die Welt fast immer aus der Perspektive von Einzelpersonen. Das Universum aber ist ein Ganzes, und es organisiert sich so, dass alle seine Teile wie von unsichtbarer Hand dirigiert zusammenspielen, und die Menschheit ist dabei, sich in dieses große Wunderwerk als eine große Menschenfamilie einzubringen.

Wir können es nicht erzwingen, es erwächst aus dem tief in uns verankerten Wissen der Einheit auf ganz natürliche Weise und aus sich heraus. Wir alle werden den wachsenden Impulsen in uns einfach folgen und mit Staunen beobachten, wie sich die Menschheit nach und nach zu einem geheilten großen Organ der einen Schöpfung zusammenfindet.

Dies ist die Wahrheit von Oneness.

2 Kommentare

  • 1
    Heidemarie:

    Lieber Eckart,

    das ist ein schöner einprägsamer Artikel über die Vielzahl in der Einheit; bes. das Lied von RIG VEDA auch als Übersetzung von M.M.Yogi.

    Herzlichen Dank

    Heidemarie

  • 2
    F.-J. Balkenhol:

    Namaste Eckart,
    dem letzten Absatz möchte ich Darwins Aussage beifügen, der sinngemäß gesagt hat:
    Alles, was sich nicht im Einklang mit der Natur entwickelt wird auf Dauer keinen Bestand haben.

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