ONENESS24

Leben in Einheit ∗ Einssein im Leben

Die Kraft der Vergebung

16.12.11 von (Eltern und Kinder, Geschichten, Liebe, Partnerschaft)

Hand in HandLeben ist Beziehung. Wir sind verbunden mit Menschen, mit unserer Umgebung und mit der gesamten Schöpfung.

Das Leben ist voller wunderbarer, einzigartiger Formen und Ausdrucksweisen. Das ist Reichtum, und es ist zugleich die Ursache dafür, dass Konflikte entstehen.

Menschen verstehen sich nicht und fügen sich gegenseitig Schmerzen zu. Die Auswirkungen von selbst empfangenen und anderen gegenüber verursachten Schmerzen sind oft tief. Sie mögen nach einiger Zeit nicht mehr so brennend erscheinen, beeinflussen jedoch auf oft unsichtbare Art und Weise unser ganzes Leben.

Wie werden wir die Auswirkungen von Schmerz wieder los? Ist Heilung davon möglich, oder geschieht sie gar von selbst?

Letzteres ist offensichtlich nicht der Fall. Oft reicht es, den „richtigen Knopf zu drücken”, und schon ist der alte Schmerz in all seine Schärfe wieder präsent. Vielleicht kann er ein gutes Stück weit verdrängt werden. Das aber kostet uns Lebenskraft und macht unser Leben ärmer. Es mag in akuten Fällen sinnvoll sein wie beispielsweise das gelegentliche Einnehmen einer Kopfschmerztablette. Helfen aber tut es nicht wirklich.

Heilung unmöglich? Viele Menschen huldigen diesem Glaubenssatz und formulieren ihn lediglich unterschiedlich. Man wird mit ihm entweder zum Verdrängungskünstler oder depressiv. Er kann nicht bedenkenlos empfohlen werden 🙁

Was hilft? Vergeben hilft! Wie geht das? Durch Fühlen im Herzen. Wie mache ich das? Hier ein paar Anregungen:

  1. Das Fühlen des Schmerzes nicht blockieren, sondern zu seinem natürlichen Ende kommen lassen. Leiden kommt vom inneren Widerstand.
  2. Sich selbst und den Anderen innerlich sehen und fühlen. Alle Bewertungen sind verdächtig und wollen lediglich sagen, dass ich recht und der Andere unrecht hat. Das Leben aber ist weit mehr als das und ist jede Facette, nicht nur diejenige, die wir Ich nennen.
  3. Mit jedem Schmerz, den ich anderen zufüge, verletze ich mich selbst. Die Trennung von Du und Ich existiert nur in meiner eingeschränkten Sicht.
  4. Vergeben tue ich nicht nur anderen, sondern ebenso mir selbst. Beides ist gleichermaßen wichtig und der Schlüssel zur Heilung.
  5. Fühlen im Herzen, nicht Konzepte darüber schmieden im Kopf. Verbring also am besten eine Weile in Stille und lausche deinem Herzen. Dort liegen vielleicht keine intellektuell interessanten Antworten, dafür aber tiefe Einsichten und heilende Lösungen.

Hier eine Geschichte, die für dein Herz bestimmt ist und die zeigt, welche erstaunlichen Wege Vergebung manchmal nehmen kann. Eine Freundin hat sie mir erzählt. Möge sie auch dich berühren.

Dies ist die Geschichte eines jungen Mannes, der aus einer jüdischen Familie stammte. Der junge Mann verliebte sich in ein christliches Mädchen. Sein Vater war nicht wirklich daran interessiert, seinen Sohn mit einem christlichen Mädchen zu verheiraten, aber der Sohn war sehr hartnäckig, und so verließ er das Haus des Vaters. Er reiste um die Welt und kam schließlich nach Indien. Dort verbrachte er einige Zeit, und eines Tages fühlte er seinen Vater. Er wurde konfrontiert mit dem Schmerz, den er seinem Vater zugefügt hatte, die Enttäuschung und Einsamkeit, durch die der alte Mann gegangen sein musste, und der starke Wunsch erfasste ihn, zurück zu kehren und seinen Vater zu sehen. Er erzählte seiner Freundin davon und reiste zurück nach Hause.

Als er zuhause ankam, erfuhr er, dass sein Vater verstorben war. Mit großer Schuld und Reue in seinem Herzen fuhr er nach Jerusalem zur Klagemauer. Dort schrieb er einen Brief an seinen Vater, in dem er sagte: „Vater, vergib mir für den Schmerz und die Verletzung, die ich Dir verursacht habe – ich wusste es damals nicht. Irgendwie fühlte mein Herz es damals nicht, dass ich Dir Schmerz bereiten würde. Ich tat das, von dem ich zu diesem Zeitpunkt dachte, dass es das Richtige sei. Vielleicht hatte ich Recht, aber ich tat falsch daran, Deinem Schmerz gegenüber unempfindlich zu sein. Ich hätte mich um Deinen Schmerz kümmern sollen. Bitte vergib mir.“

Er schrieb also diesen Brief, faltete ihn mehrfach und versuchte nun, ihn in eine Spalte in der Klagemauer zu schieben. Jede Spalte der Mauer war voll mit Papieren, und er ging an der Mauer entlang zu einem besonderen Platz, wo weniger Blätter in den Spalten zu stecken schienen, und mit großer Anstrengung schafft er es, seinen Brief in einen Spalt zu platzieren. In diesem Moment fiel eines der Blätter herunter. Er bückte sich, um das Blatt aufzuheben, und auf ihm sah er mit Erstaunen die Handschrift seines Vaters. Die Neugier überwältigte ihn, er öffnete den Brief mit zitternden Händen.

Was fand er? Er fand die Worte seines Vaters: „Sohn, ich möchte, dass Du weißt, dass ich Dir vergeben habe. Gott segne Dich.“

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