ONENESS24

Leben in Einheit ∗ Einssein im Leben

Filterlos fühlen

17.06.11 von (Geschichten, Gott, Gnade, Segen, Oneness/Bewusstsein)

Orange SonneHeute fühle ich mich hilflos und am Boden, komme nicht weiter. Immer wieder die gleichen Schleifen, die gleichen Themen, die gleichen Ängste. Trotz aller Bitten, allem Betteln und Flehen. Trotz der vielen Lehren, die ich gehört, all dem, was ich gelesen und versucht habe zu verstehen. Trotz aller Prozesse, an denen ich in all der Zeit teilgenommen habe, mal abgesehen von den inneren Prozessen, die fast immerzu stattfinden. Ich bin müde geworden, will nichts mehr lesen, kann nichts mehr aufnehmen, ich kapituliere. Hat sich wirklich nichts verändert? Warum halten sich manche Dinge so ewig und hartnäckig? Warum lösen sie sich nicht auf?

In meiner Hilflosigkeit nehme ich mein Sri Murthi¹ aus der Tasche, lege meine Hände darauf und schließe die Augen. Erwarte nichts. Erst ist da auch nichts, nur eine Art schöne Stille. Dabei ist Stille alles andere als nichts – wie sehr sehne ich mich momentan nach Stille! Dann sehe ich vor meinem inneren Auge ein Licht, wie ein Tor. Ich spüre, dass ich hindurch gehen soll, zögere nur kurz, und bewege mich dann rasch darauf zu, aus Angst, dass es wieder weg ist, bevor ich angekommen bin.

Ich gehe durch das Tor, es ist eigentlich kein Tor, kein richtiger Übergang, nur ein Schritt von der einen in die andere Welt. Nichts trennt die beiden Welten, sie unterscheiden sich nur durch das helle Licht. Ich frage, wo ich bin, und spüre als Antwort, dass dies die Welt ist, in der ich völlig frei, ohne Filter alles fühlen darf, was da ist. Ich bin umfangen von der göttlichen Präsenz, und es fühlt sich unglaublich an. Es beginnt eine Unterhaltung, ein Frage-Antwort-Spiel, bei dem ich die Fragende bin und in dem ich zugleich mit einer sehr reichen Erfahrung beschenkt werde.

Was sind die Filter? Wo kommen sie her?

Es sind deine Muster, dein Unbewusstes, deine Glaubenssätze. Der Verstand, der Mind, hat diese kreiert. Der Verstand, mit dem du dich identifizierst und ihn für den deinen hältst. Sieh, wie er all dies geschaffen hat. Sieh, wie er versucht, diese auch wieder abzuschaffen. Sieh, dass ihm das nicht gelingen kann und auch nicht gelingen will.

Es gelingt mir, es zu sehen, nehme mir Zeit. Da ist der Mind, der mir all dies eingeredet, all dies geschaffen hat, diese Filter eingebaut hat. Ich sehe die Struktur der Filter, sie sehen aus wie Gitter aus Stahl in dunkler Farbe. Die Gitter umklammern mich, halten mich gefangen wie ein Gefängnis.

Was soll ich tun?

Sieh die Filter einfach, lenke das Licht deiner Aufmerksamkeit darauf und schau, was passiert.

Also schaue ich einfach (es ist wirklich einfach) drauf, lenke das Licht auf die Gitter, die Filter. Sie beginnen, sich zu verändern. Werden dünner, entfernen sich ein Stück von mir und lockern etwas ihren Klammergriff.

Ich wünsche mir weitere Erklärungen. Ich wünsche mir, Einheit zu fühlen.

Sieh, dass du damit auf der Ebene des Mind bist, wenn du Erklärungen wünschst. Besser ist es, zu fühlen. Fühl einfach. Sieh, dass die Filter weg sind und fühle einfach.

Ich sehe, wie durch die weggefallenen Begrenzungen hindurch plötzlich Fühlen möglich ist. Ich denke an Menschen, die ich kenne, die mir nahe stehen, und verbinde mich mit ihnen, von Herz zu Herz, mit meinen Freunden, meiner Familie, meinem geliebten Mann. Es geht ganz leicht, erstaunlich leicht, und ich erkenne, wie sehr die Gitter, die Filter, uns daran hindern, den Anderen zu fühlen.

Warum sind diese Filter überhaupt entstanden?

Fühle selbst und gib die Bewertung auf…

Als Antwort bekomme ich das Gefühl der Angst; Angst davor, den Anderen wirklich ganz und gar zu fühlen, weil es ja Schmerz, Trauer o.ä. sein könnte. So genannte „negativen Gefühle“, die nicht sein sollen, nicht sein dürfen, sagt der Mind. Ich erkenne, dass auch diese Gefühle sein dürfen, sie sind die andere Seite der Medaille, es gibt nur Licht, wenn da Schatten ist. Ich lege alle Bewertung ab, und plötzlich ist alles gleich, Schmerz und Freude, Liebe und Angst, alles darf sein. Alles löst sich in dieser Erkenntnis auf. Fast alles; was hartnäckig bleibt, ist ein subtiles Gefühl der Angst, wenn ich an bestimmte Situationen meines Lebens denke, die, wie ich gerade merke, alle eine Erfindung, eine Kreation des Mind sind. Befürchtungen, die nicht eintreffen und nur auf Gedankenkonstrukten beruhen!

Was soll ich tun?

Bleibe ganz bei dem Gefühl der Angst, die Situation selbst ist unwichtig. Bleib bei dem Gefühl.

Ich spüre voll und ganz die ganze Ladung der Angst in meinem Brustkorb und gebe mich hin. Plötzlich kann ich die Angst auch sehen. Sie sieht aus wie ein kleines Kind, schmutzig und in Lumpen gehüllt, ungeliebt. Sofort regt sich mein Mitgefühl, und ich gehe auf das kleine Geschöpf zu, um es zu trösten. Es hat Angst (!) vor mir, lässt sich aber schnell beruhigen. Ich bade es mit Wasser, dass es ganz sauber wird, ziehe ihm ein frisches weißes Hemdchen an und nehme es ganz lieb in den Arm und halte es fest. Plötzlich löst sich der Druck in meiner Brust auf. Es ist gut. Ich fühle mich unendlich befreit. Die Angst spürt, dass es in Ordnung ist, dass sie sein darf und gesehen und gefühlt wird. Mehr will sie doch nicht, als einfach gefühlt werden!

Meine Aufmerksamkeit geht, wie zum Test, wieder zurück zu mir bekannten Menschen und Situationen. Ich spüre, wie ich nun alle und alles angstfrei fühlen kann, ohne Bewertung, alles darf sein. Was mir auch entgegen kommt, ich kann es für und mit dem Anderen mitfühlen. Es ist pure Erleichterung und ich habe den Eindruck, dass dies nicht nur bei mir so ist, sondern sternförmig in alle Richtungen ausstrahlt, in alle Beziehungen. Ich fühle mich verbunden mit allen, spüre, dass alles in ihnen auch in mir ist, fühle, dass alles eins ist.

Ich wende meine Aufmerksamkeit wieder der göttlichen Präsenz zu. Meine Hände liegen die ganze Zeit über auf dem Sri Murthi.

Lasse die Hände dort noch liegen und empfange Deeksha. Gib dir auch selbst eine Deeksha und lege dir die Hände auf den Kopf.

Ich lasse die Deeksha² fließen, erst über das Sri Murthi¹, dann über die Hände in meinen Kopf. Ganz stark fließt die Energie einige Minuten lang. Zum Schluss lege ich die Hände wieder auf das Sri Murthi¹ und genieße noch ein bisschen diesen Zustand, der sich wie leichtes Schweben anfühlt. Ich spüre noch einmal nach den Filtern und sehe sie in Abstand zu mir nur noch ganz dünn schimmern.

Tiefe Dankbarkeit erfasst mich für den Segen dieser Erfahrung, für diesen gnadenvollen Moment, den ich gerade erfahren durfte. Tiefe Dankbarkeit der göttlichen Präsenz gegenüber, die für mich das Gesicht von Sri AmmaBhagavan³ hat.

Ob und wie lange der Zustand, filterfrei fühlen zu dürfen, anhält, weiß ich nicht, und es spielt auch keine Rolle. Entscheidend ist die Erfahrung, wie es sich anfühlt, dass es möglich ist! Das ist real!

Sie geben mir den Mut und die Kraft, den Weg weiterzugehen. Die Lehren und Prozesse sind dazu da, um uns wach zu machen, uns bewusst werden lassen, immerzu, in jedem Moment. Einfach zu sehen und zu fühlen, was da ist. Keine Angst davor zu haben, und wenn die Angst dann doch hoch kommt, auch diese zu fühlen. All dies will erfahren, nicht theoretisch durchdacht werden, das ist der Schlüssel. Das ist Leben, das ist Oneness. Keine Lehre kann mir diese Erfahrung schenken; erst wenn die Hingabe an die göttliche Präsenz da ist, kann Gnade geschehen.


Anmerkungen:
¹ Sri Murthi: Bild vom Göttlichen in menschlicher Form
² Deeksha: Göttliche Energie bzw. göttlicher Segen
³ Sri AmmaBhagavan: Begründer der Oneness University und des Oneness Phänomens

3 Kommentare

  • 1
    Andrea Oepen:

    Dieser Beitrag hat mich sehr berührt, er erinnert mich an meine eigenen Erfahrungen, ich habe sie einst so für mich sortiert:
    Was ich nicht kenne macht mir Angst,
    so fremd und unbekannt.
    Lass mich erkennen, was noch fremd,
    lass es mich benennen, sehen, fühlen, mit allen Sinnen es ergründen,
    so wird sie gehen von allein,
    werd sie umarmen, sie liebkosen,
    sie halten wie mein eigen Kind,
    ist sie doch Teil von mir, aus mir allein geboren,
    schenk Liebe ihr, Beachtung,
    so wird sie mich nicht mehr umfassen, mir meinen Raum belassen.
    Und diesen Raum ich dann erfülle, mit allem was ich je erkannt.

  • 2
    Beate Marks:

    Vielen Dank für diesen sehr einfühlsamen Beitrag. Es hat mich gerade heute morgen gedrängt, meine E-Mails zu lesen und dann finde ich diese Worte, diese Erzählung, die mir gerade heute so gut tut und mir hilft, mit einer momentanen akuten Situation umzugehen, zu fühlen. Von Herzen Danke!

  • 3
    Kirsten Sucker:

    Danke. Es treibt mir die Tränen in die Augen. So ist das also mit der Angst. „Mehr will sie doch nicht, als einfach gefühlt werden!“ Das wusste ich nicht. Danke!

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