ONENESS24

Leben in Einheit ∗ Einssein im Leben

Hallo, hier ist Gott (1)

23.03.11 von (Gott, Gnade, Segen)

LabyrinthDas persönliche Gefängnis

Ist dir schon einmal die Idee gekommen, dass du gefangen bist in deiner eigenen Welt mit all ihren Vorstellungen, denen du nicht entkommen kannst, und all den Ängsten, die dich immer wieder festhalten und dir nicht erlauben, Neues zu erfahren und zu erproben? Und hattest du vielleicht manchmal die Ahnung, dass irgendwo außerhalb der Begrenzungen deiner kleinen Welt das Göttliche auf dich schaut und dabei ist, dir aus der Klemme zu helfen?

Stell dir vor, bei dir klingelt das Telefon, du nimmst das Gespräch an und sagst: „Hallo, hier bin ich!”, und der Anrufer begrüßt dich fröhlich mit:

„Hallo, hier ist Gott!”

Was wäre deine erste Reaktion? Hier ein paar mögliche Beispiele:

  1. Frau M., Hausfrau: Von welcher Firma rufen Sie an? Und übrigens, am Telefon bestelle ich grundsätzlich nichts!
  2. Frau S., Büroassistentin: Sind Sie angemeldet und haben einen Termin?
  3. Herr F., Bankangestellter: Auf den Arm nehmen kann ich mich selber, aber der Witz ist nicht schlecht.
  4. M.T., Schülerin: Gut, dass du anrufst. Ich schaffe meine Schularbeiten nicht allein.
  5. Herr P., Rentner: Das passt gut. Mach schon mal den Landeplatz klar, ich komme gleich.

Oder gehörst du zu der wachsenden Zahl von Menschen, die ein persönliches Gespräch mit Gott ganz normal finden?

  1. Herr K., Ingenieur: Ich hatte dich an der Tür erwartet. Warum dieses Mal per Telefon?
  2. Frau W., Ärztin: Gerade habe ich an dich gedacht, da rufst du schon an. Ich muss mit dir über meine Ehe sprechen.
  3. Frau D., Studentin: Danke, du kannst wohl Gedanken lesen. Ich wollte dich gerade anrufen.

Das klingt nicht normal? Warum denn eigentlich nicht?

Das Göttliche ist im Leben vieler Menschen nicht normal, sondern – zumindest im Alltag – die Ausnahme. Wenn schon für den Nachbarn kein Platz im Herzen ist, wie denn dann für das Göttliche? Die persönliche Welt vieler ist so voll von angehäuftem Zeug, auf das sie glauben nicht verzichten zu können. Wie sollte da Platz sein für etwas hinter dem persönlichen Horizont?

Wir leben fast alle im Gefängnis unserer eigenen kleinen Weltsicht, und selbstverständlich sind wir darin der Mittelpunkt. Im Zweifel ist jeder der Einzige im ganzen Universum, der normal ist und recht hat, und alle Anderen sind falsch, wenn sie nicht zufällig derselben Meinung sind. Diese Art von Beziehungen sind kaum Beziehungen zu nennen, weil es zwischen den vielen kleinen persönlichen Welten keine Verbindung zu geben scheint. Jede dieser Welten ist ein persönliches Gefängnis, und das sehen wir gar nicht gerne so.

Das Göttliche weiß das, ist es doch das All-Eine, das alle und alles umschließt. Es weiß natürlich, dass wir unseren Ursprung und unser wahres Wesen vergessen haben, und klopft deshalb ständig an unsere Mauern, damit wir von diesem Albtraum aufwachen. Wir aber haben es uns in unserem Gefängnis so komfortabel wie möglich eingerichtet, um uns abzulenken, denn wir sehen den Ausgang nicht und können den Schmerz der Trennung nicht ertragen. Das geht lange schon, und unsere Mauern sind inzwischen hübsch tapeziert und geben uns ein kuscheliges Gefühl von Sicherheit. Und da wir dennoch spüren, dass das Wichtigste darin fehlt, beklagen wir uns ständig über alles, was uns irgendwie Grund dafür gibt. Unser Komfort-Gefängnis ist eben doch nicht der Himmel auf Erden.

Das Göttliche muss schon einfallsreich sein, um überhaupt bemerkt zu werden. Immer wieder mischt es unser scheinbar sicheres Leben auf und versucht uns daran zu erinnern, dass hinter unseren Mauern noch mehr existiert, nämlich das wirkliche, große Leben. Um es in einem Bild zu sagen: Statt begeistert der Einladung in ein schönes großes Schloss zu folgen, können wir unsere kleine Hütte nicht loslassen und klammern uns an das, was wir gerade noch bejammert haben.

Das Göttliche weiß, dass uns das wirkliche Leben Angst macht. Wie sollen wir Vertrauen haben? Was erwartet uns? Vielleicht erst einmal die große Strafe, weil wir in Sünde gefallen sind, wie uns unsere Eltern und Lehrer immer wieder erzählt haben. Da bleib ich doch lieber in meiner kleinen Hütte, lasse die Rollläden herunter und sehe mir im Fernsehen meine Traumserie an. Träumen ist nicht so gefährlich wie Leben.

Das Göttliche weiß, dass das mit dem Vertrauen schwierig geworden ist bei uns Menschen. Deshalb schlüpft es in eine Form, die uns vertraut ist und uns keine Angst macht. Mal kommt es als ein besonderer Mensch, mal ganz anders, zum Beispiel als eine großartige Naturerscheinung, eine berührende Begebenheit oder in jeder anderen Form, die unsere Herzen erreicht. Dann wird das Göttliche für uns Gott, oder es bekommt einen anderen von uns geliebten Kosenamen. Er ist unser engster Freund, den wir in den Arm nehmen und mit dem wir alles besprechen können.

„Hallo, hier ist Gott.”

„Toll, kommst du zum Frühstück?”

„Bin gerade noch im Bad. Ich komme gleich herunter.”

Ach ja, Gott wohnt gern in einem Haus, wo er willkommen ist, ein liebevoll zubereitetes Frühstück bekommt, unser Aufmerksamkeit hat und vor allem unser offenes Herz. Und natürlich ein Haustelefon für den Überraschungsanruf zwischendurch. 🙂

Hallo, hier ist Gott (2) – Das Göttliche und der persönliche Gott
Hallo, hier ist Gott (3) – Freundschaft ohne Wenn und Aber
Hallo, hier ist Gott (4) – Eine Geschichte
Hallo, hier ist Gott (5) – Ein persönlicher Brief