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Leben in Einheit ∗ Einssein im Leben

Hallo, hier ist Gott (2)

08.04.11 von (Gott, Gnade, Segen)

BuddhaDas Göttliche und der persönliche Gott

In den westlichen Ländern glaubt ein Großteil der Menschen trotz der Prägung durch den Verstand und die Wissenschaften an etwas Göttliches hinter all dem, was mit unseren Sinnen direkt erfahrbar ist. Und selbst in den Wissenschaften schaut man heute mit anderen Augen auf das Göttliche, als das noch vor ein paar Jahrzehnten der Fall war. Besonders die moderne Physik hat den Horizont dafür wieder geöffnet.

Den meisten religiös nicht gebundenen Menschen fällt es dabei leichter, sich das Göttliche unpersönlich vorzustellen, also zum Beispiel als universelle Energie, eine universell ordnende Kraft, als Licht oder als Liebe. Den meisten Christen ist es selbstverständlich, sich an das Göttliche in der Person Jesu Christi zu wenden, den konfessionell nicht gebundenen Menschen hingegen fällt es schwerer, das Göttliche als ein Du zu erfahren oder mit dem Göttlichen als Person in Kontakt zu treten.

Jesus Christus ist vielen Menschen nur in Verbindung mit der christlichen Kirche begegnet. Persönliche Gotteserfahrungen hat es zwar auch im christlichen Abendland gegeben, diese wurden aber von der Kirche bestenfalls toleriert und oft sogar bekämpft. Damit ist uns Gott als persönliche Erfahrung entfremdet worden.

Mit einem unpersönlichen Gott kann ich nicht meine alltäglichen Fragen, Sorgen und Kümmernisse besprechen und auch nicht meine Freude, Begeisterung und Erfahrungen teilen. Das Göttliche ist die Totalität des Lebens und so wunderbar erhaben, dass es mich erschauern lässt, aber ich erlebe es auch als weit weg von meinem kleinen menschlichen Leben. Wenn das Göttliche aber alles ist, warum kann es dann nicht für mich in einer Gestalt erscheinen, der ich mich als Mensch direkt zuwenden kann?

Ja, das Göttliche kann sich in eine Form begeben, die genau für mich gemacht ist. Oder genauer: Das hat das Göttliche längst getan, aber ich habe die Einladung nicht abgeschickt. Deshalb also wartet mein persönlicher Gott geduldig und drängt sich nicht ungebeten auf. Es ist mein Part in dieser wunderschönen Freundschaft, Gott zu mir einzuladen. Den Weg, wie er zu mir findet, muss ich nicht kennen, aber etwas aufräumen bei mir und einen freudigen Empfang vorbereiten, das kann und sollte ich tun. Oder empfängst du deine Freunde völlig unvorbereitet?

In Indien nennt man den persönlichen Gott Antaryamin. Das bedeutet sinngemäß der Innewohnende und ist der Aspekt des Göttlichen, der wie ein innigst Vertrauter in mir lebt, damit ich das Göttliche persönlich erfahren kann. Gott begegnet mir genau so, wie ich ihn als besten Freund und Vertrauten brauche, damit mein Leben aus dem Kreislauf der Leidensgeschichten aussteigt und zu dem wird, was es eigentlich ist: zu einer Reise in immer tiefere und umfassendere Ebenen von Leben und Bewusstsein.

Nun wird man einwenden können, dass das Göttliche doch ohnehin alles ist, deshalb also von mir nicht getrennt ist und ich ein Teil von ihm bin. Das ist aus der Perspektive des Göttlichen richtig, aber ist dies auch deine tägliche Erfahrung? Für die meisten Menschen ist es das nicht, und eben genau deshalb erscheint das Göttliche persönlich und in der Form, die es uns am leichtesten macht, die Einheit von Gott und Individuum wieder aufscheinen zu lassen.

Ist Gott zu einem dauernden Bewohner in uns geworden, fehlt es uns an nichts. Und kommt uns in dieser Fülle des Lebens einmal ein besonderer Wunsch, der nicht schon längst erfüllt ist, dann wird uns Gott anlachen und sagen: „Wusste ich schon, aber ich wollte es gern noch einmal von dir selber hören.”

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