ONENESS24

Leben in Einheit ∗ Einssein im Leben

Bewerten und Urteilen

19.04.12 von (Gott, Gnade, Segen, Oneness/Bewusstsein)

Burning ManVon der Welt des Verstandes

Wir tun es laufend: bewerten und urteilen. Was auch immer durch den Kanal unserer Sinne dringt oder uns aus der Erinnerung aufsteigt, durchläuft einen Prozess des Vergleichens und Einordnens in unsere eigene innere Welt, bevor wir es bewusst als Erlebnis wahrnehmen. Das klingt nach Zensur, und das ist es auch.

Wenn wir eine passende Schraube suchen, um etwas zu befestigen, dann ist der Ingenieur in uns gefragt. Der Verstand mit seinen selektiven Fertigkeiten ist in diesem Fall das passende Instrument, um diese Aufgabe zu lösen, und wir sollten ihn herbeirufen wie einen guten Freund, der uns gern helfend zur Seite steht. Danach ist es naheliegend, dass wir uns bei ihm bedanken und ihn verabschieden bis zum nächsten Mal, wenn wir ihn wieder brauchen.

In unserer Lebenspraxis ist es anders. Dieser gute Freund ist längst bei uns eingezogen und zum selbsternannten Berater für alle Lebensfragen geworden. Es gibt keinen Bereich unseres Lebens, der nicht von ihm in Augenschein genommen und gestaltet wird. Um genau zu sein, ist er längst zum Herrn unseres Hauses geworden. Das erinnert an den Esel, auf dem wir nicht reiten, sondern den wir auf den unseren Schultern tragen.

Der Verstand ist praktisch und beurteilt alles nach diversen Kriterien. Für ihn geht es um nützlich, passend, gewinnbringend, richtig und falsch und um alles, wonach man die Welt sortieren und einordnen kann. Er kennt nur dies, und deshalb ist das ganze Leben für ihn nichts als ein Sammlung von nützlichen, passenden, gewinnbringenden, richtigen und falschen Sachen, die er für uns ordnet und durch die er uns so hindurch leitet, dass wir keinen Schaden nehmen. In seinem Perfektionsdrang duldet er keinerlei Einmischung durch andere Stimmen und reagiert sehr gereizt, wenn wir ihm nicht uneingeschränkt vertrauen.

So ist er also längst zum Tyrann geworden, der sich unseres Lebens bemächtigt hat. Wir leben nicht unser Leben, wir leben das Glaubenssystem unseres Verstandes. Dieses System aus Bewerten, Urteilen und Verurteilen ist so allgegenwärtig und tief verankert in uns, dass wir es normalerweise bewusst überhaupt nicht wahrnehmen.

Wenn wir einen inneren Konflikt zwischen Herz und Verstand erleben, kommen uns Zweifel, ob sich unser Leben wirklich auf einem guten Gleis befindet. Beziehungs- probleme sind solch ein Beispiel und gute Gelegenheiten, den Verstand in bestechender Inkompetenz zu erleben. Es ist an der Zeit, wieder Herr im eigenen Haus zu werden und den Verstand zu rufen, wenn wir ihn brauchen – und ihn schweigen zu lassen, wenn wir ihn nicht brauchen.

Kontemplation:
Werde still und richte deinen Blick nach innen. Halte Rückschau über dein Leben. Beobachte, an welche Situationen du dich ganz automatisch erinnerst. Denkst du an deinen Kollegen, den du kürzlich verurteilt hast aufgrund eines bestimmten Verhaltens? Oder deinen Partner, der sich nicht so benimmt, wie du möchtest, was du einfach „total nervig“ findest? Oder wie du auch dich selbst ständig verurteilst? Schau hin, ohne wegzulaufen. Sieh dir all die Situationen und Menschen an, die du beurteilst, verurteilst. Werde dir bewusst, dass dies ganz automatisch geschieht, dass der Verstand dies immer wieder tut, ohne dass du es ändern kannst. Du kannst nichts tun. Erkenne diesen Punkt, und werde hilflos.

Spüre und akzeptiere deine Hilflosigkeit. Nur so kann das Göttliche, dein Göttliches, dir helfen. Bitte nun dein persönliches Göttliches um Hilfe. Bitte um Befreiung, um Befreiung des Verstandes. Bitte darum, alles und jeden bedingungslos akzeptieren und lieben zu können – auch dich selbst. Fahre in deinem Alltag mit dieser Übung fort und werde dir der Situationen bewusst, in denen du andere ver- oder beurteilst. Dies zu sehen ist das Geschenk deines Göttlichen an dich und der erste Schritt zur Transformation und Befreiung.

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