ONENESS24

Leben in Einheit ∗ Einssein im Leben

Einfach Gnade (2)

15.11.12 von (Gott, Gnade, Segen, Oneness/Bewusstsein, Zeitgeschehen)

TropfenChronik des Erwachens – Teil 2

Jeder erlebt seine ganz persönliche und individuelle Reise ins Erwachen. Es kann sehr segensreich sein, Erfahrungs- berichte Anderer zu lesen. Peter Saß ist im Oktober 2012 erwacht und lässt uns mit seinem Tagebuch an seinem Erwachensprozess teilhaben. Danke, Peter!

Sonnabend, 22.09.2012
In der Nacht war das Meditationsthema: Göttliche Gnade.
In meiner Morgen-Meditation folgende Vision: Sri Bhagavan kommt mit einer goldenen Kugel in den Händen zu mir. In dem Moment, als er mir die Kugel überreicht, löst sie sich auf in goldenes Licht, mit dem er meinen ganzen Körper einhüllt und meine Aura golden färbt. Tränen fließen, Tränen der Dankbarkeit. Danke AmmaBhagavan!

Nach dem Frühstück sitze ich lange, schaue irgendwohin und tue nichts. Es gibt kein Verlangen, irgendetwas zu tun. Der Verstand sagt: „Es ist langweilig.“
Ich antworte ihm: „Todlangweilig für Dich?“
Aber ich habe ihm einen Kompromiss angeboten: Jeder erhält den Raum, der für ihn gedacht ist. Ich meinen Raum der Stille, und wenn erforderlich oder sinnvoll, Raum für Denken – also für ihn.

Gerade habe ich eine kleine Puja (Anm.: heilige Zeremonie) mit Feuerritual gemacht. Ich sitze mühelos völlig aufrecht ohne Rückenlehne – meine Schultern sind jetzt leicht und ohne Gewicht und ohne jede Last. Das konnte ich sonst nur nach einem einwöchigen Retreat mit Schweigetagen. Welch großer Segen ist das Liberation-Sutra! DANKE!

Wenn ich mit anderen spreche, geschieht das oft irgendwie unmittelbar, ohne das vorher ein Denken stattfindet. Viele Antworten, die ich gebe, entstehen ebenso spontan. Ich habe dann nicht das Gefühl, das ich spreche. Der Körper spricht – ich kann Mundbewegungen entstehen sehen und höre dann erst, was er (ES) spricht. Aber ich bin nicht selber aktiv.

Beim Yoga bemerke ich eine wesentlich verbesserte Dehnfähigkeit und Leichtigkeit im Körper. Es entspricht etwa meinen Zustand vor vielen Jahren.

Sonntag, 23.09.2012
Meditationsthema war heute Nacht: Vergebung.
Ich erkenne, dass meine Vergebung unvollkommen ist, dass vielleicht jede Vergebung unvollkommen ist. Auch heute Morgen beschäftigt mich das noch. Ich gebe meine Unvollkommenheit der Vergebung zum Göttlichen. Ich will der Vergangenheit kein Leben mehr einhauchen, so wie ich es früher oft getan habe. Später bemerke ich, dass Auflösung stattgefunden hat – es ist einfach geschehen – durch Gnade.

Beim Frühstück tanze ich im Sitzen auf meinem Stuhl – höre innerlich, wie Sai Baba das Gayatri-Mantra singt. Kann dabei heute gar nicht stillsitzen, was eigentlich nicht meine Art ist.

Am Vormittag mache ich wieder eine Puja, Aarhti und Meditation. Anschließend im Garten in der Herbstsonne spüre ich ständig stark ansteigende Kundalini-Energien im Rücken, ausgelöst durch die Nachricht, das letzte Woche in Indien 20 Menschen auf den Kursen erwacht sind. Ich kann kaum stillsitzen, springe auf vor Energie. Ich habe das Gefühl, gleich zu explodieren.

Mittags gehe ich im Garten langsam wie nie zuvor – jeder Schritt voll Bewusstheit. Es sind vielleicht nur 10 Schritte, fast in Zeitlupe mit vollem Gewahrsein. Es ist ein Genuss! Ich glaube, ich bin das erste Mal im Leben wirklich gegangen – keine Ablenkung durch Gedanken, Gefühle etc. Vor 30 Jahren hatte ich das mal in einem Yogakurs geübt, aber nie so 100 % erreicht wie heute. Es geschah einfach. Da war vorher kein Gedanke, der sagt „jetzt bewusst gehen“.

Sonntagabend sehe ich einen goldgelben Kanarienvogel vor meiner Glastür. Ich spüre, er will zu mir. Als ich die Schiebetür öffne, fliegt er in meinen Wintergarten. Ich kann ihn später in einen Vogelbauer locken und bringe ihn zu einem Nachbarn, der eine Voliere mit Kanarienvögeln hat und gut für ihn sorgt.

Später wird mir bewusst, dass das Göttliche mir diesen goldgelben Boten gesendet hat. Er ist ein Symbol. Ein Symbol für die Gnade, die mir zufliegt.

Montag, 24.09.2012
Heute Nacht nur wenige Stunden geschlafen. In der Nacht ca. 20 Meditationsthemen im Zeitraffer durchlaufen.

Wache auf, als ich „träume“, wie mein Vater sich an den letzten Tagen des Krieges 1945 fühlt: Völlige Leere, die Empfindung von Sinnlosigkeit für das, was war, und Hungergefühl.

Beim Aufwachen habe ich einen Dialog mit dem EGO geführt. Das Ego liebt Titel jeder Art und ist auf seine Weise am Erwachen interessiert: Als „Titel“. Ich sage dem Ego, dass das Tor des Erwachens klein ist und ich nicht weiß, ob es durchpasst, wenn es sich aufbläst. Das Ego antwortet: „Aber ich lebe doch von solchen Dingen“.

Nachmittags realisiere ich endgültig, dass ich erwacht bin. Mein Körper ist unruhig und aufgeregt davon. Der Geist ist ruhig. Ich schreibe eine Email nach Indien und telefoniere mit einer anderen Erwachten. Für jeden ist es individuell, trotzdem erkenne ich Gemeinsamkeiten.

Abends nach der Oneness-Meditation spüre ich einen tiefen Frieden in mir.

Dienstag, 25.09.2012
Schlafe wieder nur 3 Stunden. Das ist trotz meines neuen Zustandes auf Dauer etwas knapp. Trotzdem ist mein Kopf sehr klar. Bin aber sehr dankbar, dass ich den Vormittag in meinen Tempo gestalten kann. Mein Körper mäht den Rasen, es geschieht ohne Anstrengung, aber völlig ohne Beteiligung und ist sofort erledigt.

Mittags erkenne ich, dass ich vieles einfach so hinnehme. Ich spüre den Mangel an Dankbarkeit in mir. Ich gebe auch diese Unvollkommenheit zum Göttlichen und sehe im gleichen Moment wieder die Vollkommenheit, auch die Vollkommenheit in meiner Dankbarkeit. Nachmittags Schmerzen in verschiedenen inneren Organen – hier arbeitet etwas.

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Fortsetzung Teil 3
Beginn (Teil 1)

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