ONENESS24

Leben in Einheit ∗ Einssein im Leben

Erwacht (3)

04.06.13 von (Gott, Gnade, Segen, Oneness/Bewusstsein)

SchneeflockenEin persönlicher Erfahrungsbericht (Teil 3)

Bereits seit längerer Zeit plane ich die Fortsetzung meines Berichts, aber die Erfahrungen sind so schnell und flüchtig geworden, dass sie schon nicht mehr real waren in dem Moment, als ich sie aufschreiben wollte. Dennoch setze ich nun den Bericht fort und konzentriere  mich auf „konstan- tere“ Dinge; wieder in der Hoffnung, dass sie den Menschen in ihrem eigenen und ganz persönlichen Erwachensprozess dienlich sein mögen.

Ende Januar habe ich das Geschenk des Erwachens in Indien erhalten.  Was hat sich verändert in den letzten Wochen? Wo ist heute der Unterschied zum nicht erwacht sein? Was sind wirklich klare Merkmale für das Erwachen?  Gibt es sie, wo doch jeder in seinem Prozess einzigartig ist? Ich merke den Unterschied vor allem im Gespräch mit anderen, z.B. mit Arbeitskollegen oder im Bekanntenkreis, wo niemand erwacht ist. Die Art, wie die Dinge gesehen und (nicht) gefühlt werden, machen einen deutlichen Unterschied aus. Nicht erwacht werden die Dinge mithilfe des Verstandes (Mind) betrachtet und gelöst. Der Mind erschafft Probleme, die er selbst wieder zu lösen versucht. Diesen Mechanismus kann ich nun ganz klar durchschauen und auch erfahren. Vorher war nur das Wissen darüber da, nun ist es zur Erfahrung geworden.

Ebenso das „Management of suffering“ – das Managen des Leidens. Nichts fühlen, weggucken, runterschlucken, nichts anmerken lassen, die Dinge schön reden – dies alles funktioniert nicht mehr. Gut, mitunter muss ich mich, wie jeder, der Situation anpassen, was bedeutet, dass nicht jede Emotion o.ä. nach außen gezeigt werden kann, wenn es gerade unpassend ist. Manche Erwachte denken, dass sie sich nun „benehmen“ und sagen können, wie und was immer sie gerade wollen und denken. Das empfinde  ich als völlig anders. Ich muss nicht die Wahrheit offen aussprechen, es ist nur wichtig zu erkennen, dass dies gerade so ist, dass ich es nicht tue. Damit bin ich innerlich authentisch und gleichzeitig  gesellschaftsfähig. Dies alles geschieht ganz natürlich und ohne Anstrengung oder Überlegung. Alles geschieht automatisch, auch eine Erfahrung.

Alle Welt spricht nun von Transformation. Sri Bhagavan hat dazu gesagt, dass es unsere Aufgabe ist, uns um unsere Transformation zu kümmern, er hat sich um unser Erwachen gekümmert. Beides kann ich bestätigen – Transformation ist unsere Aufgabe. „Nur“ das Erwachen, ohne Weiterentwicklung, erfahre ich als  Zustand von Stillstand. Der Wunsch nach Wachstum ist noch ganz natürlich vorhanden. In diesem Stillstand melden sich allerlei Persönlichkeiten, die noch Ladungen in sich tragen. Dies kann ich inzwischen sehr gut erkennen: dass da keine „Person“ und auch kein Ego mehr ist, sondern eben Persönlichkeiten, die sich blitzschnell melden, wenn sie angetriggert werden. Dies kann sich mitunter alles andere als angenehm anfühlen. Eine Weile war ich ziemlich genervt darüber: Oh Mann, schon wieder irgendein Thema, was sich meldet! Momentan erlebe ich es eher als Segen, denn ich fühle, dass sich all die verborgenen Dinge, die da schlummern, nur lösen können, wenn sich die Ladungen lösen.

Denn erwacht sein bedeutet nicht, dass automatisch alle Ladungen weg sind. Dies ist wohl erst in höheren Levels der Fall. Manche haben bestimmte Erwartungen oder Vorstellungen von Erwachten, wie sie ihrer Meinung nach sein sollen. Und wurden enttäuscht, denn Erwachte lächeln nicht den ganzen Tag wie kleine Heilige, sondern sind ganz „normale“ Menschen. Es ist ein sehr unaufgeregter Zustand, der sich deutlich vom erwachten Zustand (der kommt und geht), unterscheidet. Aber auch Erwachte selbst können noch Konzepte darüber haben, wie sie selbst sein sollten. Konzepte behindern unser Wachstum und verhindern die echte Erfahrung des Erwacht seins. Auch ich hatte noch Konzepte darüber, habe es aber nicht gemerkt. Erst als kürzlich jemand darauf hinwies, dass da noch Konzepte sind, konnte ich erkennen: Ja, ich habe noch Konzepte darüber, wie ich als Erwachte sein soll. Damit war der erste und auch der letzte Schritt auch schon getan: dies zu sehen und anzunehmen. Und darum zu bitten, dass sich die Konzepte nun auflösen.

Was sich momentan markant auflöst, ist das Gefühl von Raum und Zeit. Mein Zeitgefühl ist, wenn es Abstände von mehr als 24 Stunden betrifft, ziemlich aufgehoben. Manchmal weiß ich nicht mehr, was gestern war oder vor einer Woche. Ich hatte vor gut drei Wochen Geburtstag; das kann ich nur ermitteln, indem ich auf den Kalender schaue und nachrechne. Das Bewusstsein des  Begriffes „drei Wochen“ ist nicht mehr da wie vor dem Erwachen. Das ist sehr faszinierend. Im Alltag funktioniert mein Timing und Zeitmanagement dagegen nach wie vor hervorragend, was überaus praktisch ist. Überhaupt bin ich jetzt noch viel praktischer geworden, als ich es vorher schon war. Tätigkeiten gehen viel schneller und effektiver von der Hand, weil der Mind nicht mehr die ganze Zeit plappert.

Die Vergangenheit ist nur noch eine Erinnerung ohne Emotionen.  Dadurch, dass das Leben immer mehr im Moment stattfindet, verschwimmt alles… bzw. es gibt den Übergang von Moment zu Moment, aber da ist nur der Moment. Wenn wir beispielsweise ein paar Tage im Urlaub waren, ist der Urlaub beim Nachhause kommen tatsächlich vorbei. Da ist kein „Zehren“ mehr von den Tagen oder Orten oder Erlebnissen, was einerseits ein bisschen schade ist. Andererseits verpassen wir durch das Zehren nach der Vergangenheit das Jetzt.  Das hat sich jetzt geändert. Meistens zumindest; ab und zu gibt es ganz kleine Rückfälle, aber ohne Leiden.

Wenn es einmal anders ist, meldet sich garantiert eine alte Ladung, also eine nicht zu Ende gebrachte Erfahrung. Hier lassen sich gut die Lehren anwenden, indem ich  bei dem reinen Gefühl bleibe, was da ist, und nicht bei den damaligen Umständen oder Gegebenheiten. Dies funktioniert fast immer. Manches geht schnell, anderes braucht länger. Es gibt Ladungen, die sich in Sekundenschnelle auflösen, andere können sich über mehrere Tage halten. Falls dann das Gefühl von Leiden aufkommt, wird mir klar, dass es nur der Widerstand gegenüber dem ist, was sich da gerade zeigt. Wenn ich das sehe, bröckelt der Widerstand sofort dahin und der Prozess geht weiter.

Auch beim Zeitunglesen oder Radio hören kann ich erkennen, dass alles aus dem Zustand der Trennung heraus geschrieben bzw. gesagt wird. Dies habe ich vor dem Erwachen als völlig anders wahrgenommen, weil ich selbst im Zustand des Getrenntseins war. Es ist schwer zu erklären, aber wer erwacht ist, wird dies sicher ebenfalls so wahrnehmen.

Das existenzielle Leiden und die grundsätzlichen Fragen des Lebens oder nach dem Sinn des Lebens sind komplett verschwunden.

Zum Thema Leiden: Oneness lehrt, dass es kein persönliches Leiden gibt, denn es gibt nur einen Mind, nur eine Emotion (d.h. nicht deine oder meine  Angst, Wut usw.). Es gibt nur Angst, das Gefühl an sich ist heute das gleiche wie zu Beginn der Menschheitsgeschichte. Nur fürchten wir heute andere Dinge als der Urmensch. Als Nicht-Erwachter sind wir mit der Emotion identifiziert, es ist „unsere“ Angst. Als Erwachte spüre ich, dass es „nur“ Angst ist und nichts mit mir zu tun hat. Es ist kollektiv. Überhaupt spüre ich in manchen Zeiten besonders stark das Kollektiv. Vor kurzem war so eine Phase; alles rauschte derart heftig durch mich hindurch, ich konnte klar spüren, dass das alles nicht „meins“ war. Es strengte mich total an, vor allem abends vorm Einschlafen war es besonders stark, so dass ich einfach nur starr daliegen konnte, ohne mich zu wehren. Es scheint zur Aufgabe zu gehören, all dies durch sich durchfließen zu lassen, damit es sich verändern kann – wie ein Spülgang in der Waschmaschine. Das war zwar heftig, hat mir aber die Erfahrung geschenkt (was vorher auch nur Wissen war), dass da nichts Persönliches ist. Und letztendlich ist dies die Erfahrung von Einheit. Aus irgendeinem Grund fühlte ich in dem Moment eben Schwere, Trauer usw., aber keine Freude im Kollektiv. Für Letzteres war ich eben nicht der Kanal.  Ich hoffe, das ändert sich mal. 😉

Momentan ist die Phase so, dass ich viel Leere in mir fühle. Der Mind greift dann meistens sofort ein und will die Leere mit irgendwas füllen. Da sind noch alte Konditionierungen, dass ich ja immer aktiv sein muss, immer was machen muss, nicht faul rumsitzen soll usw.. Das Spiel sehe ich, und manchmal gelingt es, eben noch einfach mal nur zu sitzen und bei/mit der Leere zu bleiben. Dann erinnere ich mich an die Zeit des Erwachens, in der sich plötzlich ein großer Raum auftat, in dem nichts war außer Stille. Wenn ich mich dort hineinfallen lassen kann (was nicht immer einfach ist), fühlt es sich großartig an.

Alles verändert sich, wie gesagt, sehr schnell und geht immer mal wieder auf und ab. Nichts ist permanent. Das Wissen um all die wertvollen Lehren, die wir bei Oneness bekommen, hilft enorm zu verstehen, was mit uns geschieht. Mit dem Erwachen werden die Lehren nach und nach Realität.

Den Kontakt zum Göttlichen zu halten, empfinde ich in unserer westlichen, dichten Atmosphäre als nicht einfach. Es bedarf immer wieder kleiner Hilfsmittel wie  Zeremonien oder kleiner Rituale. Ich muss mich immer wieder aktiv daran erinnern, mit dem Göttlichen zu kommunizieren. Obwohl es doch an sich so einfach ist,  ist es noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen. Was ich mir wünsche: eine immer tiefere Beziehung zum Göttlichen, die so selbstverständlich und normal ist wie Zähneputzen – und als Krönung die Gottesverwirklichung.

Zum Schluss ein Zitat wunderbar passendes aus dem letzten Newsletter der Oneness Universität:“ Erwachen ist wie eine Fackel. Du musst sie benutzen und sehen, wie es um dich aussieht. Wenn du nicht siehst ‘was ist’, nutzt es nichts. Erwachen gibt dir einfach nur eine Fackel in die Hand. Wir geben dir eine Fackel. Diese Fackel zu verwenden ist deine Aufgabe. Nur eine transformierte Person kann eins werden mit Gott. Anders geht es nicht.

Der Prozess, die Reise geht weiter! Es ist eine sehr spannende und jeden Tag immer wieder neue Entdeckungsreise. Fortsetzung folgt…

* * * *

Erwacht (1)
Erwacht (2)

3 Kommentare

  • 1
    DocW:

    Liebe Petra,
    es scheint so, dass die Erwachten sich gar nicht tief genug vor AmmaBhagavan verbeugen und angemessen ihren Dank audrücken können. Drei so schöne Beiträge von dir!
    Es ist einfach zum Niederknien, wie schon die Deeksha, aber natürlich noch viel mehr das Geschenk des Erwachens ALLE Betroffenen zu bereichern scheint. Du hast deine eigene Erfahrung sehr fein und genau beobachtet und beschrieben (was für sich genommen auch wieder ein Juwel ist.)

    Man sagt, dass die Nicht-Erwachten die Erwachten und deren neue Verfassung nicht erkennen können, und dass die Erwachten in den Augen der Nicht-Erwachten oftmals als dieselben „Deppen“ (Zitat Bhagavan!) wie vor dem Erwachen erscheinen. Vielleicht ist das so.
    Man kann aber an deinen Beiträgen sehr schön sehen, wie es im erwachten Zustand auf einen selbst ankommt und warum es in die Irre führt, die Welt des Anderen am eigenen Maßstab zu messen (nicht-erwachter Zustand). Letzteres war schon immer die Wahnwelt auf dem Planeten Erde, sehr bald, nachdem der Mensch aus dem Paradies gefallen ist.
    Und also machen die Nicht-Erwachten so weiter und be- und verurteilen die Erwachten, während die Erwachten die Nicht-Erwachten nicht (mehr) be- und verurteilen. Dieser Unterschied ist von außen kaum zu erkennen. Aber es ist der Unterschied, der einen entscheidenden Unterschied macht, wenn wir die Wahnwelt des Ego langsam ausleiten wollen.
    Also: herzlichen Dank für deine drei Beiträge. Wunderbar!

    Mögen alle Geschöpfe nach dem Willen des EINEN wachsen und werden und in Glück und Frieden leben.

  • 2
    Esther:

    Liebe Petra,
    ich danke Gott, dass er dich geschickt hat, damit mich deine Ausführungen trösten. Namaste.

  • 3
    Kirsten:

    Liebe Petra,
    danke. Heute entdeckt und war genau das Richtige jetzt.
    Gibt es eine Fortsetzung? Bitte ja 😉
    Danke!

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