ONENESS24

Leben in Einheit ∗ Einssein im Leben

Erwacht sein (1)

19.06.13 von (Gott, Gnade, Segen, Oneness/Bewusstsein, Zeitgeschehen)

Erwacht… wohl nichts ist seltsamer – und doch auch selbstverständlicher.

Er wusste nicht, dass sein Bericht so beginnen würde, noch Sekunden bevor er begann zu schreiben. Die Idee war, einen Zustand zu vermitteln, der nicht zu vermitteln ist; so etwas versuchen nur Narren. Also los, Narr!

Seit der Narr aus Indien zurück ist, sind etwa zehn Wochen vergangen. In der Zwischenzeit hat er bei David Hawkins, einem der wenigen lebenden Erleuchteten der Westseite des Globus, gelesen, es sei eine Zeit lang ganz gut auf Sätze, in denen das Wort „ich“ vorkommt, zu verzichten. Deshalb dieser seltsame Schreibstil.

Wer die Oneness-Universität nach einem „28-Days-Awakening-Kurs“ verlässt, tut dies mit (erstens) schwerem Gepäck und (zweitens) ohne. Manche merken ihr Erwachen kaum, andere sind völlig aus dem Häuschen. Gewiss ist nur,  dass „nach dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre“ (der Alltag ist gemeint) vieles anders wird – und manches eben nicht. Leider weiß man vorher nicht, was genau sich verändern wird. Das macht aber nichts, weil man sowieso keine Wahl hat: „Is wie is.“

Jedenfalls wird erst einmal klar, dass alle Vorstellungen davon, wie das Erwachen wohl sein wird, unzutreffend sind. Das haben alle Besucher dieser Website jetzt schon mehrfach gelesen. Jetzt die Überraschung: es stimmt.

Ohne Gepäck heißt, man lässt tatsächlich viel Ballast zurück in Indien (wo liegt der eigentlich herum?). Zurück bleiben: Ein paar Kilo Ideen, wie man charakterlich zu sein hat; eine paar Kilo Stolz und andere überflüssige Eitelkeiten; Geschichten alter Schmerzen, die nun wirklich nicht mehr erzählt werden wollen, weil sie, inzwischen 100mal aufgewärmt, so langweilig sind wie die Zeitung vom Vortag; Erinnerungen, die immer schon die Tendenz hatten, sich zwischen die Gegenwart und den Gegenwärtigen zu schieben; eimerweise sinnloses Gequatsche im Kopf, das zwar „nach Indien“ nicht vollständig aufhört, aber erstens weniger wird und zweitens seinen Bedeutungsrang klar einbüßt; ein paar Schubkarren Angst; ein Kilometer Projektionsstrecken auf Andere („der (oder die) ist aber blöd weil…“); Hektik; Unruhe; Stress und so weiter – es ist unmöglich, den Katalog an Wundern des Erwachens vollständig aufzublättern.

Man ist geneigt, zu sagen: der „Awakening-Kurs“ kann alles, was das Herz begehrt. Vermutlich stimmt das schon deshalb, weil einem dort in Indien schnell klar wird, dass nicht alle Wünsche sinnvoll sind und man sie am Besten sowieso fallen lässt. (Das war jetzt etwas für Leute mit Anspruch auf eine logische, lineare Welt.) Also, zu schön um wahr zu sein? Nein, das nicht, aber der Ausbruch des Paradieses ist eben nur die eine Hälfte der Schilderung.

Jetzt kommt die andere Hälfte: Man ist nach dem Kurs erst einmal müde (nicht jeder, aber der Verfasser, und wie!), und wer vor dem Erwachen nicht wusste, was Müdigkeit ist, der weiß es danach. Offensichtlich sind die Veränderungen, die neurologisch und physiologisch durch den Awakening-Prozess in Gang gesetzt werden, und der eben nicht mit dem letzten Tag in Indien endet, sondern danach erst richtig beginnt, elementar. Diese Schlappheit kann, wie zu vernehmen war, durchaus sechs Monate anhalten. Wahrlich eine müde Aussicht! Jetzt das Wunder: Sie ist schlimmstenfalls unpraktisch, die Müdigkeit, aber sie nervt nicht.

Ein paar andere (zeitlich befristete!) Störfelder sind diese:
Konzentrationsfähigkeit? Fehlanzeige.
Vergesslichkeit? Sehr hohe Relevanz.
Ziele formulieren und erreichen? Sehr lustig.
Dem Ehrgeiz folgen. Dem was?
Gute Manieren berücksichtigen. Charmante Idee, aber?
Rücksicht auf andere nehmen. Welche Anderen?

Na, und so weiter. Keine Sorge, diese Art von egozentrischer Indifferenz vergeht. Bevor sie das tut, bringt sie den einen oder anderen Erwachten erst einmal in Verruf. „Der ist ja genau so (…) wie vorher, oder schlimmer.“ Da ist etwas dran. Der Transformations- prozess vom Erwachen zur Erleuchtung dauert und dauert, aber trotzdem ist das aufkommende „Erwachten-Bashing“ ein bisschen ungerecht (was auch nichts ausmacht, denn es ist dem Erwachten natürlich egal wie über ihn geredet wird). Die arme reiche erwachte Seele ist nämlich ziemlich durcheinander und muss sich anfangs neu sortieren, und das ziemlich gründlich. Man möge also bitte etwas geduldig sein mit den neuen Pflanzen. Die Ernte kommt, denn der Erwachte kommt bald wieder aus dem Quark.

All das sollte nur auch mal denen mitgeteilt werden, die beginnen, sich Sorgen zu machen, ja, vielleicht um sich selbst, nach dem Erwachen. Aber, auch das ist nicht wirklich möglich, sich Sorgen zu machen. Manchmal grummelt es noch ein bisschen. Übrigens, damit nichts anbrennt: Man wird nicht gleichgültig, wenn das „sich Sorgen machen“ verschwindet. Es wird einfach ersetzt durch Mitgefühl.

So, dann gibt es da noch die „Ladungen.“ Ein „Gerne-Thema“ aller Oneness-Freunde. Ladungen sind die neurotischen und traumatischen Prägungen im Unbewussten, die in Indien noch nicht ihren endgültigen Tod gefunden haben. Alte Gespenster, an denen sich die Kollegen Therapeuten, Coaches und Berater jahrelang die Zähne ausbeißen, und die ihr Eigenleben im untersten Kellergeschoss führen. Das sind die letzten Heraus- forderungen der Erwachten, die aus dem Gestern kommen. Sie, die Ladungen, wirken wie mächtige Königinnen und Könige einer alten Welt, weil sie kommen und gehen wann und wie sie wollen, den noch zarten erwachten Pflänzchen das Licht und die Freude verhageln, sich als Wut oder Zorn, Schmerz oder Verzweiflung wie in alten Zeiten aufmachen und Unfrieden stiften? Ist das so, „Wie in alten Zeiten?“ Gott sei Dank nicht. Sie wirken nur so, erscheinen noch ein paarmal auf der Bühne des Lebens – und beenden dann ihr letztes Gastspiel, über kurz oder lang, meistens kürzer. Das tut dann weh, aber ehe der Erwachte sich versieht ist der Vorhang unten und der Schmerz verflogen. Kein langer Applaus mehr für Hamlet oder Isolde.

Man hat es in Indien immer wieder gehört: Erwachen heißt am Ende, man sei irgendwie nicht mehr da. Wer soll sich da Sorgen machen? Und, weiß Gott*: Das „Nicht-mehr-da-sein“ ist ein echter Gewinn! Die Formel lautet: Wenig Ego – wenig Leid. Jetzt noch ein Wunder: Der Umkehrschluss wenig Ego – wenig Freude stimmt ausdrücklich nicht. Erklärungen dazu lässt der Verfasser hier weg; es hat etwas zu tun mit den unterschiedlichen Gesetzen der linearen (logischen) und nichtlinearen (spirituellen) Wirklichkeit.

*Ach ja; Gott. Nach dem Erwachen?
Da hört der Spaß auf.
Oder er beginnt.
Man mache es kurz:
ER ist da.

Erwachen ist ein Anfang des Zurücktretens, Raum schaffen für den Sternenschöpfer; man selbst wird unwichtig, aber eben nicht bedeutungslos. Aus den früheren Dramen werden Stücke, bei denen man wählt, längst gewählt hat, nicht mehr mitzuspielen. Das Alte ist noch da, ähnlich wie es immer war, aber es ist eben anders geworden, leichter, durchsichtiger. Schweres ist weitgehend verschwunden, Schönheit breitet sich ohne jegliches Zutun aus, Dankbarkeit wird zum ständigen Begleiter.

Der denkbar größte Dank in dieser Welt gilt AmmaBhagavan, die das Erwachen verschenken wie Gott das Sein.

Mögen alle Wesen erwachen und in Frieden leben!
Habt einen fröhlichen Tag!

* * * *

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7 Kommentare

  • 1
    GODAFRID:

    Dieser Satz gefällt mir am besten:
    „Der denkbar größte Dank in dieser Welt gilt AmmaBhagavan, die das Erwachen verschenken wie Gott das Sein.“

  • 2
    Andrea Oepen:

    Danke, ein wunderschöner Beitrag, zum Schmunzeln, Grinsen und Jaaaaaaaaaaa; kein neues eh nicht zutreffendes Konzept vom Erwachen. Das mit dem Vermeiden von Sätzen mit „ich“ werde ich… hoppla….. anders, diese Sätze können sicher auch anders formuliert werden. DANKE

  • 3
    Rosemarie:

    … 🙂 … Kommentar auch zum Thema „Schreiben, ohne ,ich‘ zu verwenden“ 🙂 _______

    KumarJi, Oneness Being in sehr hohen Bewusstseinszuständen, sagte dazu im März/April-Deepening in einer Lecture (sinngemäß): „Es gibt einige, die verwenden nach dem Erwachen plötzlich kein „ich“ mehr, wenn sie mit anderen sprechen. Warum sich abheben von anderen und eine Distanz schaffen? Wenn ihr nach Hause zurückkehrt und so seltsam sprecht, werdet ihr womöglich auch in seltsamen Gebäuden landen, weil man euch für nicht normal hält. Wie kann ein Nicht-Erwachter das verstehen? Und ihr könnt das nicht erklären, denn erwachen kann man nicht erklären, man muss es erfahren. Der Erwachte ist aber der normalste Mensch überhaupt, er muss keine neue Sprache erfinden.“

    KumarJi sagte, er selbst spreche zu uns mit „ich“ in Sätzen.

    KuramJi erzählt es so liebenswert, keiner nimmt es krumm, und ich konnte beim Zuhören gewahr werden, Gewahrsam erfahren durch seine Beiträge. So wurde ich jetzt beim Lesen ebenfalls gewahr, da er darüber sprach und da es hier auch von Dir thematisiert wurde.

    Alles, alles LIEBE! Und danke für den Beitrag! Allerherzlichste Grüße und eine gesegnete Zeit!

  • 4
    heike:

    ja… das GANZE ist halt unbeschreiblich…

  • 5
    Katharina:

    Vielen Dank!!!! Sehr schön erzählt…ich mag das…alles Liebe von Katharina

  • 6
    Elias:

    So schön und auch so wahr!
    Segenswünsche an alle, die das hier lesen.

  • 7
    Esther:

    Lieber DocW., herzlichen Dank für diesen toll geschriebenen Text. Er hat mich ordentlich zum Lachen gebracht. Und ungemein beruhigt.

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