ONENESS24

Leben in Einheit ∗ Einssein im Leben

Erwacht sein (2)

10.07.13 von (Gott, Gnade, Segen, Oneness/Bewusstsein, Zeitgeschehen)

ErwachtHeute die Entscheidung für ein Nachwort zu „Erwacht sein“. Warum dies, schon nach solch einem kurzen Zeitraum, was ist der Grund? Antwort: Es gibt keinen. Es will einfach aus mir heraus. Somit wäre wenigstens von einem Anlass zu reden.

Seit etwa elf Wochen bin ich zurück in (m)einer alten Welt, die weder alt noch meine ist. Denn es gehört mir nichts wirklich, obwohl mein Name draufsteht, aber das bedeutet gar nichts mehr, und neu ist das, was mit einem nach dem Erwachen verbundenen Erleben einhergeht. Also fast alles.

Erwacht sein ist inzwischen so „normal“ geworden, dass ich kaum noch daran denke. Die alte Zen-Weisheit, man hacke nach dem Erwachen Holz und schöpfe das Wasser genau wie vor dem Erwachen, erweist sich als weise und wahr. Der Allgemeinzustand (meiner): unaufgeregt, fröhlich, leicht, verantwortlich, mitfühlend und (ja, da ist es wieder!) gedankenlos. Die obere Halle im Kopf ist ziemlich ohne Programm, brabbelt aber nicht sinnlos vor sich hin, sondern schwingt sich wohlig von einer sehr, sehr langen Sinuskurve zur nächsten. Und zwischendurch passiert wenig. Was für ein Geschenk! (Beinahe hätte ich „Genuss“ geschrieben, aber das wäre eben falsch, denn der Genießer ist eben auch nicht mehr zuhause.)

„Erwachen“ beschreibt einen Vorgang, „Erwacht sein“ einen Zustand (wieder etwas für die linkshirnigen Leser;-)). Jedenfalls kann ich gar nicht genug kriegen (Rest des Egogeistes) von diesem Zustand der stillen Freude, für die ich rein gar nichts tun muss außer nur aufmerksam zu sein, damit er mir nicht entgeht.

Täglich sehe ich mir Sri Bhagavans Bild an und wundere mich, dass so gar nichts Entferntes an ihm ist, und dasselbe gilt für Jesus, Lao Tse und Buddha, die alle auf meinem kleinen Altar versammelt sind. Diese Vertrautheit mit dem vor Indien schlicht Unvorstellbaren ist eines der Wunder, die ich erleben darf, und nicht selten kommen mir Tränen, die nur aus Dankbarkeit und Liebe zusammengesetzt sind. Zum Beispiel auf langen Strecken auf der Autobahn, wenn mich der brummende Motor (ich habe einen alten Diesel) in den Alpha-Zustand getranced hat. Bertold Brecht hat „Der Mensch denkt, Gott lenkt“ zu „Der Mensch denkt: Gott lenkt“ verdreht. Das schien schlau zu sein, war aber falsch. Er hat sich geirrt, denn ich bin es nicht, der mein Auto steuert und der vor lauter Tränen ozeanischer Ergriffenheit die Straße nicht mehr sehen kann.

Es ist seit über 15 Jahren mein Beruf, Menschen zu beraten und sie bei Bedarf aus dem seelischen Keller zu holen. Das geht heute viel besser, denn diese Arbeit verrichtet seit Indien fast vollständig eine Instanz in mir, die schlicht und einfach zehntausendmal mehr kann; ich bin nur noch der Assistent. Wie schön! Was ich teilen soll: Hin und wieder erinnere ich mich noch an meinen eigenen nicht-erwachten Zustand. Ein bisschen nur, aber immerhin doch so viel, dass ich sagen kann, es muss scheußlich gewesen sein, diese Ahnungslosigkeit, unglaubliche Drehungen immer nur um die eigenen Sorgen und Ängste. Seit ich in meine Gefühle nicht mehr verstrickt bin, sehe ich die der Anderen viel klarer und bin voller Mitgefühl über den Mist, den fast alle mit sich herumschleppen. Es ist derselbe Mist, der früher meiner war, aber seit dem ich den los bin, kann ich viel besser helfen. Und es war gut, selbst durch manche Dunkelzone des Lebens gerauscht zu sein, denn so kann ich wissen, was gespielt wird. Jetzt ist nichts Fremdes mehr am Anderen, wenig nur, was von mir verschieden wäre, fast alle Erfahrungen, die andere machen, sind bekannt und vertraut – selbst dann, wenn ähnliche Erfahrungen in meinem Leben fehlen. Manchmal, wenn es mit meinem Klienten vollends durchgeht und er sich sorgt, nicht verstanden zu werden, denke ich: „Ich bin du“, aber ich denke es nur, denn das sagt man nicht, und ich fühle, wie der Gedanke trotzdem ankommt und bei der Heilung hilft.

Wenn ein kurzer Ausblick in die Mystik erlaubt ist, dann vielleicht dieser: Ich habe deshalb kaum noch den Eindruck, erwacht zu sein, weil der, der erwacht ist, kaum noch da oder so unwichtig geworden ist, dass er übrigens auch nicht weiß, wer diesen Artikel geschrieben hat. Das ist doch nun wirklich lustig, oder?

Man kann es nicht oft genug betonen – also schreibe ich es noch einmal: Der denkbar größte Dank in dieser Welt gilt AmmaBhagavan, die das Erwachen verschenken wie Gott das Sein.

Mögen alle Wesen erwachen und in Frieden leben!
Habt einen fröhlichen Tag!

* * * *

Erwacht sein (1)
Erwacht sein (3)
Erwacht sein (4)
Erwacht sein (5)
Erwacht sein (6)

7 Kommentare

  • 1
    heike:

    Ja, und so fügt sich alles wunderbar !

  • 2
    Arite Husmann:

    Danke für die Widerspiegelung Deiner Erfahrungen und Gedanken. Es lässt mich schmunzeln, weil sie doch wieder bestätigen, wir sind alle Eins 🙂
    Und doch stoß ich – wie schon in Deinem ersten Beitrag – auf Unbehagen. Vielleicht ist es auch nur ein Missverständnis?

    ….Man kann es nicht oft genug betonen – also schreibe ich es noch einmal: Der denkbar größte Dank in dieser Welt gilt AmmaBhagavan, die das Erwachen verschenken wie Gott das Sein…

    Es hört sich für mich so an, als ob sich jemand bei einem anderen bedankt, weil dieser ihn geheilt hat. Doch die Heilung, genau wie das Erwachen, kann nicht geschenkt werden. Es geschieht alles durch dich selbst. Ich bin dankbar dafür, dass mir das Tor gezeigt wurde. Hindurchgehen darf jeder selbst.

    Genau dieses Emporheben von AmmaBhagavan, Jesus, Budda….. ist in meinen Augen das Gefährliche. Da ich dies so oft höre, bin ich immer etwas hin- und hergerissen, ob ich an den Deekshas und OM teilnehme oder nicht. Seit einiger Zeit habe ich mich auch deswegen ferngehalten. Wir sind alle Eins, allgegenwärtige LIEBE.

  • 3
    Eckart Schulz:

    Hallo Arite,

    es stimmt: Wir sind alle Eins. Und dann bleibt da niemand, bei dem man sich bekanken könnte. So ist für jemanden, dem dies zur Realität geworden ist, der dort also wirklich steht (oder „die“ natürlich).

    Für jemanden, dem dies (noch) nicht Realität geworden ist, ist dies aber nicht so. Es ist dann nicht seine Wirklichkeit. Man kann aber nur seine eigene Wirklichkeit leben, alles andere spaltet innerlich in das, was in diesem Moment da ist, und dem, was Vision, Ideal oder Erinnerung an eine gemachte Erfahrung ist.

    Es gibt keine absolute Wahrheit, sondern nur Wahrheit auf Basis der eigenen gerade gelebten Wirklichkeit. Das gibt den Raum frei für die unglaubliche Vielfalt an authentischem Erleben. Das Wachstum im Bewusstsein kennt ja kein Limit.

    Herzlichst, Eckart

  • 4
    DocW.:

    Heute saß ich am Meer. Und schaute auf das tiefblaue Wasser. Die Sonne glitzerte auf den kleinen Wellen, und sehr weit oben unter den Wolken zogen die Möwen ihre Kreise. Sand rieselte durch meine Finger, Abermilliarden kleine Körnchen, und jedes mit einer anderen Gestalt. Ein leiser warmer Sommerwind huschte über meine Haut, und die Luft schmeckte salzig und roch nach Seetang. Es war ein Fest der Sinne, und es hatte keinen Anfang und kein Ende. Schönheit durchdrang jedes Atom und jedes Molekül, und inmitten dieser Schönheit war ein Wissen, das um sich selbst wusste, und das von mir verschieden war, weil ich nur erwacht und nicht erleuchtet war, und auch das war gut und richtig so, und inmitten dieses Richtigen und Guten erhob sich eine tiefes Gefühl von Dankbarkeit gegenüber dem Sternenschöpfer, denn ich war es nicht, der diese Welt erschaffen hat, und sollte ich zumindest Zeuge dieser Schöpfung und also dabei und Mitschöpfer gewesen sein, so bin heute ob des Vergessens dieser Sekunde erstarrt vor Demut, Ehrfurcht und Erstaunen über dieses vollkommen unmögliche Wunder, dem Wunder nämlich, dass all das IST. Wie ich.

  • 5
    DocW.:

    (Noch zu Kommentar Nr. 4)

    Übrigens: Die Oneness-Universität bezieht zum Thema Dankbarkeit ein sehr einfache Postion. „Einheit mit dem Göttlichen wird erfahren durch Dankbarkeit, Hingabe, Vertrauen und Bindung. Die Einheit mit Gott ging durch Undankbarkeit verloren. Gegen einen Mangel an Dankbarkeit helfen Deeksha und Bitten und Beten um Dankbarkeit.“ (Kumarji, 18. April 2013)

  • 6
    Elias:

    Passend zum Thema zwei weitere aktuelle Statements:

    „Gnade hat die Kraft, die Bestimmung eines Menschen augenblicklich zu verändern.“
    Stuart Mooney Jr.

    „Der Sieg des Menschen liegt in seiner Hingabe an Gott.“
    Sri AmmaBhagavan

  • 7
    heike:

    Hallo DocW, schreib doch auch mal etwas über die Transformation nach dem Erwachen.
    Wie lange dauert die Phase der Transformation, wie fühlt es sich an?
    Wie erlebt man sie, wenn doch der Mind, das Ich, abgekoppelt sind??

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