ONENESS24

Leben in Einheit ∗ Einssein im Leben

Erwacht sein (3)

05.08.13 von (Gott, Gnade, Segen, Oneness/Bewusstsein, Zeitgeschehen)

ErwachtJemand hat sich etwas gewünscht: „Hallo DocW, schreib doch auch mal etwas über die Transformation nach dem Erwachen. Wie lange dauert die Phase der Transformation, wie fühlt es sich an? Wie erlebt man sie, wenn doch der Mind, das Ich, abgekoppelt sind?“

Wie lange die Phase der Transformation dauert, weiß ich nicht einmal dann, wenn sie (bei mir) abgeschlossen sein wird. Und eigentlich gehe ich davon aus, dass es keinen Abschluss geben kann, denn das Göttliche kennt keine Grenzen. Aber mit Sicherheit braucht jeder (Erwachte) seine eigene Zeit. Jedenfalls ist diese Frage eine typische Mind-Frage (bitte nicht als Kritik verstehen!), die sich der Erwachte gar nicht mehr stellt, weil die Gegenwart seines Erlebens eine solche Frage bereits in den Karton mit der Aufschrift „Uninteressant“ weggelegt hat.

Was zukünftig wie sein wird, ist für den Erwachten weitgehend ohne Relevanz. Was nicht heißt: es ist ihm egal, dass er Montag die Hose aus der Reinigung holen sollte. Aber es ist nicht unwahrscheinlich, dass er das erst einmal vergisst, falls er die Hose am Montag nicht wirklich braucht.

Neulich stand ich im Supermarkt in der Schlange vor der Kasse, um zu bezahlen. Direkt vor mir benötigte ein wirklich alter Mann lange Minuten, um 6 Euro 47 in mehr als zwei Dutzend Einzelteilen aus seinem Portmonee zu angeln. Es dauerte ewig und drei Tage, bis er damit zum Schluss gekommen war. Jemand von ganz hinten brüllte irgendwas wie „der spinnt wohl.“ Zwischenzeitlich stieg und stieg und stieg die Ungeduld in mir hoch, fast so schnell wie die Warteschlange hinter mit länger wurde, und touchierte meine innere Region, an deren Zaun das Wort „Wut“ gepinselt steht. Ich war so dermaßen ohne Mitgefühl und so voller Wut, dass ich ganz und gar und zu 100 Prozent bei mir war, was natürlich heißt: bei meinem alten Mind. Also unbewusst.

Es dauert nur eine Sekunde. Dann plötzlich blickte der Mann auf, sah mir tief in die Augen und sagte: „Bitte entschuldigen Sie, dass Sie so lange warten mussten.“ Es war eine Lektion für mich, und sie endete nicht in einem Selbstvorwurf, wie das vor dem Erwachen gewesen wäre, sondern augenblicklich in tiefer Dankbarkeit und Freude. Und in dem Erleben, dass der Andere stets mein Lehrer sein kann, auch und gerade dann, wenn er mir eine Lektion erteilt, obwohl er das genau vielleicht gerade nicht wollte. Der Mann wurde mir zu einem Erwachten, der einem anderen Erwachten half, zu erkennen, dass wir früher oder später alle erwacht sind. Die einen wissen es, die anderen (noch) nicht. „Ich bin du“, dachte ich, aber das sagt man nicht, wie schon mal auf dieser Website an anderer Stelle geschrieben…

Heute, Sonntag, lag ich auf dem Sofa. Ich tat tagsüber nichts, außer zu erleben, wie die Zeit stehen bleibt. Und die Gedanken zu beobachten, deren Bedeutungslosigkeit erkennen ­– egal, für wie wichtig sich diese Gedanken halten – zu sehen, dass die Gedanken nicht meine sind; nichts lesen, einfach nur sein. Sein im Dasein, etwas, was mir vor dem Erwachen nicht möglich war, ist, die Stille atmen zu hören. Das Ich, der Mind als Bühne, lustig, überflüssig, manchmal daneben, aber auch irgendwie zu bedauern, dieses alte arme Würstchen, das sich für so wichtig hält und das mit jedem weiteren Schritt in die Transformation ein bisschen mehr bibbert, weil sein letztes Kalenderblatt immer näher kommt. Je dünner der Kalender, desto leichter wird mir.

Für den heutigen Tag ist die Botschaft Bhagavans an die Erwachten: „Der Erwachte sieht den Beobachter und das Beobachtete als eins.“ So ist mein Tag. „Bitte, werdet euch intensiv bewusst, was vor sich geht. Das ist alles. Es gibt sonst nichts, was ihr tun könntet, es gibt sonst nichts, was ihr tun solltet. Und wo sollt ihr hinkommen? Ihr kommt nirgendwo hin, weil es von vorn herein nichts gibt, um irgendwo hinzukommen. Ihr werdet euch nur mehr und mehr bewusst, was vor sich geht. Was ist also der erste Schritt? Der erste Schritt ist Bewusstheit. Was ist der letzte Schritt? Bewusstheit. Was ist also da? Es gibt nur Bewusstheit. Bewusstheit ist das Höchste aller Dinge.“

Der denkbar größte Dank in dieser Welt gilt AmmaBhagavan, die das Erwachen ver- schenken wie Gott das Sein.  Mögen alle Wesen erwachen und in Frieden leben! Habt einen fröhlichen Tag!

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