ONENESS24

Leben in Einheit ∗ Einssein im Leben

Erwacht sein (4)

26.08.13 von (Gott, Gnade, Segen, Oneness/Bewusstsein, Zeitgeschehen)

ErwachtZum Ende des Sommers, vier Monate nach meiner Rückkehr von der Oneness-Universität als Erwachter, sieht meine Welt ziemlich anders aus.

Denjenigen, die sich durch „Erwacht sein, 1–3“ gelesen haben, bin ich die eine oder andere Aktualisierung schuldig. Zuerst dies:

1. Das Gedächtnis kehrt zurück, ich kann mir wieder Namen und ein paar Fakten merken. Oder genauer: ES merkt sich etwas, was es mal brauchen könnte. Und wenn doch nicht, dann schadet es nicht.

2. Das Interesse an der eigenen Vergangenheit ist ebenso ausgehöhlt wie das Interesse an der eigenen Zukunft. Geschichten von früher erinnern an abgestandenes Bier; Phantasien über morgen und übermorgen tauchen fast nur noch in Gesprächen mit anderen auf, nämlich dann, wenn es etwas zu planen gibt. Die Gegenwart: Das Jetzt erweist sich also so kurz, dass es nur noch als „schon wieder vorbei“ wahrgenommen wird – was so viel heißt, wie: meine Aufmerksamkeit ist (noch) zu langsam.

3. „Macht euch keine Sorgen“, hat Christus gesagt. Jetzt weiß ich, was er meinte. Statt mich zu sorgen, bin ich aufmerksam mit dem, was ist. Wenn es ein Problem gibt, das ich lösen kann, löse ich es – und habe kein Problem; wenn es ein Problem gibt, das ich nicht lösen kann, dann habe ich kein Problem, denn ein Problem ist etwas, was es zu lösen gilt. Was ich nicht verändern kann, akzeptiere ich.

4. Ich bin mit dem was ist so zufrieden, dass ich für andere vermutlich als Langweiler erscheine – schon deshalb, weil ich keine Probleme mehr wälzen kann. Viele Gespräche erweisen sich als Unterhaltung, und dazu nehme ich mir nicht mehr die Zeit. Es gibt Wichtigeres zu tun. Ja was denn? Das entscheide ich auch nicht mehr, sondern die Entscheidung kommt zu mir – irgendwie.

5. Neulich hat eine Freundin „ein böses Wort“ über mich zu mir gesagt – und sich sofort entschuldigt. „Ich wollte dich nicht kränken, tut mir leid“, sagte sie. „Ich weiß von keiner Kränkung“, sagte ich. Und das war selbst für mich überraschend, denn ich hörte wohl, was sie gesagt hatte, und hatte gewartet, ob die beleidigte Leberwurst in mir sich zu Wort meldet, aber es gibt sie nicht mehr. Ausverkauft, die Wurst. Das war lustig zu erleben.

6. Bin ich noch der alte Controlletti? Ein bisschen. Ein Muster das tief sitzt, eine Ladung, die diametral gegenüber von Gott angesiedelt ist, die kein Vertrauen kennt, die immer noch die Wahnidee hat, irgend etwas im Griff zu haben. Na schön, ich arbeite dran (endlich noch ein Ziel!)

7. Man sagt, der Erwachte habe keine (inneren) Bilder, keine Vorstellungen. Nun, daran arbeite ich ebenfalls noch. Die Bilder und Vorstellungen sind es nicht, sondern es ist die Musik, die aus dem inneren Ohr mich morgens aufweckt, wunderbare Sinfonien, Opern, Lieder von Brahms, Mahler, Schubert usw. Möchte ich das missen? Was wird sein (fragt der MIND nach der Zukunft), wenn diese Töne auch nicht mehr da sind? Aber immerhin verstehe ich jetzt, warum der Buddha in seinen Klöstern keine Musik wollte. Mich macht sie süchtig nach mehr, seit eh und je.

8. Ich verdiene mein Geld als Berater. Und man erwartet von mir Urteile. Und zwar handfeste Urteile mit Begründung und Absicherung. Also lerne ich gerade, zwischen Beruf und Privatleben zu trennen; ein Stück nicht gelebte „Oneness“. Akzeptiere ich.

9. Meistens ist es emotional leer in mir, ich bin zufrieden und freue mich über nichts und wieder nichts – vielleicht über die Freude an sich. Stille breitet sich aus und übernimmt den inneren Raum dort, wo früher die Angst war. Stille als Antwort auf die Angst ist eine wunderbare Erfahrung.

10. Von der den Erwachten zugerechneten „bedingungslosen Liebe“ bin ich Lichtjahre entfernt. Mein Urteilen und Verurteilen lässt sie nicht zu. Die Größe, Diktatoren und Tyrannen hinzunehmen, habe ich noch nicht, wohl wissend, dass mein Urteil über sie nicht die geringste Bedeutung hat und schon gar nicht etwas ändert. Aber immerhin SEHE ich inzwischen: Es ist mein eigener MIND, der den Unterschied zwischen denen, die ich kritisiere, und mir selbst nivelliert. Ich bin ein Teil auch dessen, was mir absolut nicht gefällt.

Bhagavan ist neulich während seines Darshans einem Übersetzer ins Wort gefallen, weil er nicht wissen konnte, dass die Übersetzung noch unvollständig war. „Sorry“, hat er gesagt und die Hände zur Entschuldigungsgeste aneinander gelegt. Dieser Moment hat mich tief bewegt. Unvorstellbar. Und doch ist es geschehen: Das Göttliche verneigt sich vor einem einfachen Menschen; der Buddha bietet dem Novizen Wasser, der Christus wäscht uns die Füße. Das sind für mich die wirklichen Wunder. Mehr brauche ich nicht.

Das war – Widerspruch, Widerspruch – ein Blick in die jüngere Vergangenheit eines Erwachten. Und vorbei!

Der denkbar größte Dank in dieser Welt gilt AmmaBhagavan, die das Erwachen verschenken wie Gott das Sein. Mögen alle Wesen erwachen und in Frieden leben!

Habt einen fröhlichen Tag!

* * * *

Erwacht sein (1)
Erwacht sein (2)
Erwacht sein (3)
Erwacht sein (5)
Erwacht sein (6)

5 Kommentare

  • 1
    Christiane:

    Vielen Dank für den ausführlichen Bericht!
    Es tut gut ein wenig abgleichen zu können, denn diese Zustände sind doch so neu und nun weiß ich, dass es anderen auch so geht !
    Liebe Grüße Christiane

  • 2
    Christiane:

    Danke für Deinen ausführlichen Bericht!
    Es tut gut, dass ich weiß, dass es anderen auch so geht, auch wenn es sowieso so ist und ich keinen Einfluss darauf habe und voll einverstanden bin und eh nichts dagegen tun kann, da ich es nicht mehr lenken kann und auch keinen Willen dagegen haben kann. Und Deine Energie des Textes mich wieder voll und noch stärker trifft.
    Danke! Christiane

  • 3
    heike:

    Hallo !
    danke für den Bericht.
    Dieses „sorry“ von Baghavan hat mich auch unglaublich berührt! Dieser total unschuldige Gesichtsausdruck dabei… die Güte und Ergebenheit !
    Namasté Heike

  • 4
    Michaela:

    Obwohl ich erst am Anfang stehe und nicht zu den Erwachten gehöre, konnte ich mich in allen Artikeln partiell wiederfinden. Die Trennung zwischen privat und beruflich (auch beratend tätig) kann ich nachvollziehen. Im Moment habe ich auch nur die Wahl, es zu akzeptieren. Aber es fällt mir schwer, weil das nicht die Lösung ist.
    Ich bin wirklich ergriffen von deinen Worten und habe nach jedem Lesen einen tiefen Atemzug genommen, der automatisiert „mein“ Einverständnis dokumentierte. Sehr schön! Und: Danke dafür!
    Michaela

  • 5
    DocW:

    Danke für die Feedbacks. Es freut mich, dass die Texte ansprechen und bewegen. So war es gedacht. Nicht von mir; „es“ schreibt einfach.
    „Es“ schreibt noch etwas Anderes: Zeit, ein „Erwacht sein (5)“ anzukündigen. Denn bisher ging es überwiegend darum dazustellen, wie ein Erwachter sich mit sich selbst fühlt, wenn die inneren Kämpfe aufgehört haben, Zufriedenheit zum „Standard“ wird usw. „Erwacht sein (5)“ wird etwas Anderes werden: „Wie der Erwachte die anderen Menschen erlebt, was er anders sieht und fühlt als zuvor, usw.“ Es wird um das große Thema „Mitgefühl“ gehen. Mal sehen, wann „es“ losschreibt…

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