ONENESS24

Leben in Einheit ∗ Einssein im Leben

Erwacht sein (5)

16.09.13 von (Gott, Gnade, Segen, Oneness/Bewusstsein, Zeitgeschehen)

ErwachtDer fünfte Abschnitt zu „Erwacht sein“ wurde in „Erwacht sein 4“ angekündigt. Auch er schildert mein Erleben seit dem Erwachen, diesmal eher fokussiert auf die Außenwelt. Dieses Erleben muss überhaupt nicht mit den Erfahrungen anderer nach deren Erwachen übereinstimmen.

Der Text ist aus mir innerhalb wenigen Minuten förmlich herausgeplatzt. Nach neuerlichem Lesen hatte ich das Gefühl man könnte den Eindruck haben, als wäre nach dem Erwachen nur noch ein Auge da für die Not und das Elend dieser Welt. Ich möchte dem aber hinzufügen, dass meine Zeit nach dem Erwachen voller Zufriedenheit, Dankbarkeit und Freude ist ­– auch oder gerade inmitten des alltäglichen Wahnsinns dieser Welt, aber ich sehe eben viel deutlicher als zuvor, wie verrückt und lebensbedrohlich krank unser Planet durch jenen MIND, das Ego, das kleine Selbst, von dem unten die Rede sein wird, geworden ist. Das ist nichts Neues, und doch ist das Wissen darum etwas anderes als es selbst zu erkennen und zu sehen – was ebenfalls nichts Neues ist.

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Was sieht der Erwachte, wenn er sieht, wenn er achtsam ist, wenn er die Aufmerksam- keit anderen Menschen entgegenbringt? Er sieht die Not der Anderen, der Nicht-Erwachten, sieht die Bedrängnis, die Angst, die Verzweiflung und Verwirrung. Er sieht den Kampf, die Ahnungslosigkeit. Er sieht die Verhaltensmuster der Anderen, die immer dasselbe tun ohne jeden Sinn. Er sieht Menschen, die nicht SIND, nicht bewusst etwas tun oder es bewusst unterlassen, sondern die reflexartig auf fast jeden Windhauch reagieren – nicht selten mit einer Intensität als ginge es um Leben oder Tod.

Er sieht die Auswirkungen der Blindheit des MIND, den Kampf des EGO, die Verzweiflung des kleinen Selbst und den alltäglichen Krieg im Kleinen wie im Großen, und der Erwachte sieht: genauso war auch ich. Er sieht die Gier des MIND. Und er erkennt darin dessen ANGST und dessen Unvermögen zu vertrauen. Er sieht, wie die Gedanken ziellos sich selbst jagen und nicht aufhören können Unfrieden, Missgunst und Bitterkeit zu erzeugen. Und er sieht, dass das alles nicht sein muss.

Der Erwachte ist weder bescheiden noch nicht-bescheiden; er ist nicht selbst-achtend und auch nicht nicht-selbstachtend, denn sein Blick geht an ihm selbst vorbei und richtet sich auf seinen Nächsten, ohne dass die Blickrichtung durch den Erwachten selbst gewählt wird. Er ist als Helfender Teil eines viel größeren Helfens, das er sich nicht annähernd vorzustellen vermag und auch nicht vorstellen will. Er spürt das Große und wird dankbar zu dessen Werkzeug. Denn er weiß, dass alles was er verrichtet nicht von ihm stammt, sondern nur durch ihn hindurch kommt, was aber viel mehr wäre, nämlich dann, wenn er selbst nicht anwesend wäre mit dem Rest seines eigenen MIND, der ihn trennt vom restlosen Einswerden mit allem anderen und dem großen EINEN. So sieht der Erwachte seine Grenzen und akzeptiert sie.

Er ist nicht mehr eins mit seiner Erinnerung und dem eigenen Leid von damals; er ist voller Mitgefühl, aber ohne Mit-Leiden. Er fühlt sich nicht überlegen, sondern er fühlt mit. Er kennt die Schraubzwingen, die der MIND um das Herz legt noch aus eigener Erfahrung. Er weiß, wie das EGO die Liebe tötet, er erinnert sich, wie manchmal unerträglich und absurd sein Leben vor jenem Erwachen war, das nicht sein Erwachen ist, sondern einfach nur Erwachen.

Wenn er das Leid der Anderen sieht, steigt ohne sein Zutun der Wunsch zu Helfen und zu Heilen auf. Es öffnet sich ihm das Feld des göttlichen Wissens, aus dem die helfenden Impulse zu ihm und durch ihn hindurch kommen, und er hilft im Bewusstsein selbst nichts zu verrichten, sondern Gott wirken zu lassen durch ihn hindurch, jenseits der Frage, ob er den helfenden Geist den „Heiligen“ oder GOTT oder „Buddha“ oder „Christus“ oder „Sri AmmaBhagavan“ oder „Ich bin“ nennen soll, denn diese Frage ist eine diesseitige, die nicht hilft.

Er sieht den Geist des anderen als wäre dessen Geist sein eigener Geist, und es ist nur der Windhauch eines Unterschiedes zwischen ihm und dem Nicht-Erwachten. Er sieht den MIND, der nicht anders kann als zu denken und zu kämpfen und zu leiden, denn MIND ist Inhalt, Form und Identifikation mit Sorgen und Leid und Elend und ist das Erschaffen von Angst und Unglück.

Und hinter dem Dunkel der Welt und dem Dunkel des Egogeistes sieht der Erwachte das Licht. Und so ist er leer und doch voller Mitgefühl – und frei, und er folgt dem Hilferuf des eigenen Herzens und dem Ruf des anderen Menschen in seiner Not, mit dessen Klang der Sternenschöpfer seine Kinder nach Hause holt.

Der denkbar größte Dank in dieser Welt gilt Sri AmmaBhagavan, die das Erwachen verschenken wie Gott das Sein. Mögen alle Wesen erwachen und in Frieden leben!

Habt einen fröhlichen Tag!

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Erwacht sein (1)
Erwacht sein (2)
Erwacht sein (3)
Erwacht sein (4)
Erwacht sein (6)

3 Kommentare

  • 1
    Elias:

    Sehr treffend formuliert, Doc. Grüß schön die Freistadt.
    Und frei heraus noch diese Zusammenfassung:
    „Wenn Bewusstsein von all seiner Verschmutzung gereinigt ist, ist das was bleibt Leben, reines Bewusstsein oder Gott.“
    Sri AmmaBhagavan

  • 2
    Karin Gabriel:

    Hey, Doc. W.,
    ganz beiläufig erzählt mir mein Mann (so als würde die Waschmaschine im Keller piepsen) wer der Verfasser der Artikel “ Erwachtsein 1…5 “ ist.
    Ich habe in der Vergangenheit mir schon ein paar mal Gedanken gemacht, was für ein Gesicht sich hinter den lebendigen Schilderungen verbirgt. Die Texte haben mich des öfteren schon tief berührt, Tränen, Dankbarkeit, Schmunzeln….und noch vieles mehr.
    Jetzt habe ich ihn kennengelernt ……!!! Hier wird mir wieder mal wieder bewusst, was es bedeutet, eine gute Kommunikation zu pflegen….. Erneut stelle ich fest, es gelingt mir nach 20 Ehejahren immer noch nicht so gut.
    Die unterschiedlichen Gehirnwindungen zwischen Frau Gabriel und Herrn Gabriel auf eine Ebene zubringen ist nicht so einfach, hier muss ich Sri Baghavan mal um Unterstützung bitten.
    Lieber Doc.W, herzlichen Dank für deine tollen Texte, du sprichst mir aus der Seele. Deinen sprachlichen Ausdruck finde ich faszinierend. Ich hoffe und wünsche mir, es kommen noch weitere 100…. Folgen von Erwachtsein……
    Lieben Gruß
    Karin

  • 3
    DocW:

    Danke, Karin! Ohne den göttlichen Wind wären diese Texte unmöglich zu schreiben. Ich allein könnte das nicht.
    Was dem Psychologen in mir noch einfällt: Kommunikation gelingt immer dann ganz gut, wenn man sich während der „Unterredung“ auf den Stuhl des anderen setzt und vollkommen still ist beim Zuhören. Auch eine Art Oneness.

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